Das hat uns vorher niemand gesagt

Heute haben wir unseren Jahrestag, also nicht vom Kennenlernen, Zusammenkommen oder von unserer Verlobung. Sondern heute vor einem Jahr sind wir abgehoben – und zwar im doppelten Sinne. Wir flogen nach Neuseeland zu unserem größten Abenteuer seit wir durch einen engen Geburtskanal das Licht der Welt erblickten. Seit Mai sind wir nun zurück in Deutschland und viele von euch fragen sich vielleicht was wir in diesen letzten sechs Monaten so unternommen haben, wie sich unsere Rückkehr angefühlt hat und wie wir wieder Fuß gefasst haben. Also die kurze Version ist: Es war schwerer als gedacht wieder Fuß zu fassen. Es hatte sich daheim nicht viel verändert, wir hatten uns verändert. Unsere neuen Eindrücke und Erfahrungen ließen sich schwer in den Alltag einbringen. Und ein Leben mit geregelter 40h-Woche und Wohnung wollte so gar nicht zu dem Leben passen das wir in Neuseeland führten und nun auch gewohnt waren. Wir haben völlig unterschätzt, wie uns diese Reise und die neu gewonnenen Perspektiven verändert haben. Das hat uns vorher niemand gesagt. In jedem Blog oder Bericht stand, wie schwer es für eine Beziehung ist zu Zweit eine solche Reise zu unternehmen, man sich eine Strategie überlegen sollte allein weiter zu reisen, sollte es zum Bruch kommen. Aber niemand schrieb wie schwer es sei nach einem so freien und unbeschwerten Leben wieder zu Hause in den Alltag zu finden. Das war die schwerste Phase unserer Reise und sie dauert noch an.

Für die längere Version der letzten Monate müssen wir tatsächlich unseren Google-Kalender öffnen, denn die Zeit raste wie bei den meisten Menschen so vor sich hin und dann fragten wir uns plötzlich mit was wir sie verbracht haben. Natürlich haben wir uns die ersten Tage und Wochen Zeit genommen um „anzukommen“: Wir haben unsere Sachen ausgepackt, waren beim Friseur :-), gingen shoppen und haben viele Stunden mit unseren Familien verbracht. Das war ein bisschen ungewohnt aber gleichzeitig eine wertvolle Phase, die wir so nie wieder haben werden. Da wir unsere Wohnungen aufgegeben hatten, wohnten wir bei unseren Eltern, pendelten viel hin und her und verbrachten so viel Zeit mit ihnen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an euch für die gute Verpflegung, das Vertrauen in uns und all die tausend Kleinigkeiten! Neben unserer Verwandtschaft hatten natürlich auch unsere Freundinnen und Freunde Priorität. Da diese ziemlich verstreut sind, waren wir kreuz und quer in Sachsen unterwegs, zum Beispiel in Dresden und Leipzig. Und natürlich waren wir auch in Wien, wo wir sie entweder beim Heurigen oder im Kaffeehaus antrafen. Auch bei vielen von ihnen hat sich einiges verändert. Einige haben Nachwuchs bekommen, ein Häuschen gebaut und leider auch mit einer Krankheit zu kämpfen gehabt. Es war toll alle wiederzusehen und ihre Geschichten zu hören. Auch an euch vielen Dank für eure Zeit, dafür das ihr uns nicht vergessen habt und fürs Zuhören! 🙂 Nach dem Besuch in Österreich hängten wir ein paar Tage an der italienischen Adria in Lido di Jesolo an. René musste ein wenig überzeugt werden, aber das war es wert. Nach den vielen Eindrücken aus der Heimat waren wir so geplättet, dass es total gut tat mal wieder zu Zweit zu sein und nichts weiter zu tun als die Sonne zu genießen, den Gedanken freien Lauf zu lassen und uns mit unserer Zukunftsplanung auseinanderzusetzen. Ein unendliches Thema, was wir immer noch nicht abgeschlossen haben.
Bereits im Juni fuhren wir zu ersten Bewerbungsgesprächen von René und waren schließlich bis Ende September viel in Deutschland unterwegs, schrubbten Kilometer und bekamen viele Eindrücke von Orten zwischen Flensburg und Ravensburg. René machte im Juli noch einen Lehrgang, Doreen verbrachte in dieser Zeit noch einmal zwei Wochen in ihrer alten Wahlheimat bei Wien. Bei René war der Jobwechsel ja bereits entschieden und auch Doreen traf in dieser Zeit die Entscheidung, dass der alte Job mit allem drum und dran mit ihren neuen Eindrücken nicht mehr zusammen passte. Außerdem entschieden wir uns bewusst dafür an einem Ort zu beginnen, der für beide neu war. Zwischenzeitlich stand Deutschlands Küste hoch im Kurs, seit Anfang Oktober sitzen wir allerdings im Freistaat Bayern. 🙂
Im August, etwa drei Monate nach unserer Rückkehr, packte Doreen eine verrückte Idee… Wir waren so viel unterwegs und das auch an schönen Orten, aber Geld für die Übernachtungen wollten wir nicht ausgeben, zumal wir das in Neuseeland anders gelöst hatten. Kurzerhand ließ sich René von der Idee mitreißen (er erinnert sich nicht mehr daran wie) und wir bauten ein Bett in die dicke Peggy. Für alle die uns nicht so gut kennen, Peggy ist eins von unseren Autos. 🙂 Es war etwas einfacher als in Neuseeland, weil wir in der Werkstatt von Doreens Opa alle Werkzeuge fanden, die wir brauchten. Auch hatten wir ja schon gute Erfahrungen gemacht und so ist das Bett in der Peggy mindestens drei Mal so stabil wie das von Brunni. Aber so ein modernes Auto hat auch seine Nachteile, es ist viel aus Plastik und so haben wir nach stabilen Auflagepunkten suchen müssen. Aber auch diese Hürde haben wir mithilfe eines ambitionierten Ford-Autoverkäufers aus der Nachbarschaft von René gemeistert. So haben wir die vielen Fahrten zu Bewerbungsgesprächen von René und Doreen meist mit etwas Angenehmen verbinden können. Zu unserer Verwunderung darf man in Deutschland im Auto schlafen, sobald man nicht die STVO missachtet, auf Privatgrund steht, am Bürgersteig sein Geschäft verrichtet oder Müll ablädt. Super! Voller Übermut nähten wir für Peggy sogar Vorhänge. 🙂
Nun, so viel zu unserem Lotterleben, was momentan zumindest eine kleine Pause hat. Seit Oktober stehen wir wieder in Lohn und Brot. René arbeitet südlich von Regensburg. Doreen muss sogar bis nach Freising fahren. Den ersten Monat wohnten wir in einer netten Pension und seit Anfang November haben wir eine wunderschöne Ferienwohnung in der Nähe von Kelheim. Eine Wohnung in Landshut zu finden, ist schwerer als Arbeit. 🙂
Nun leben wir mehr oder weniger einen ganz gewöhnlichen Alltag, schlafen in einem richtigen Bett, haben die Koffer komplett ausgepackt und Plätzchenzutaten zum Backen gekauft. Nur so ganz normal fühlt es sich immer noch nicht an, da wir eben noch keine eigenen vier Wände haben und auf den Dachböden unserer Eltern und Großeltern das meiste Hab und Gut lagert. Aber wenn wir ehrlich sind, so richtig normal wollen wir es auch nicht haben, wir wissen nur noch nicht genau wie das Unnormale aussehen soll…

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4 Gedanken zu “Das hat uns vorher niemand gesagt

  1. Hallo ihr beide, vielen Dank für den schönen Bericht zur derzeitigen Lage. Ich bin wie immer gespannt, wo es euch noch hinzieht und wie ihr das Leben so lebt 🙂 Freue mich euch irgendwann mal wieder zu sehen!
    Liebe Grüße aus Wien

    Corinna

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  2. Danke dass ihr uns an eurem Leben und Abenteuern so teilhaben lasst! Es ist immer schön von euch zu hören und eine große Freude wenn wir uns persönlich treffen 🙂
    Ganz liebe Grüße nach Bayern! Claudia

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  3. Hallo Ihr Zwei, schön wieder etwas von Euch zu hören. Es ist immer wieder schön von Euren Abenteuern zu lesen. Danke, das Ihr mich an Euren Abenteuern teilhaben lasst. Das der normale Alltag schwer fällt nach so einem freien u. unbeschwertem Leben, kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht sieht man sich mal, wenn Ihr Zwei mal wieder in Dresden vorbeiguckt. Bis dahin ganz liebe Grüße von mir. Christina 🙂

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