Vom perfekten Vulkankegel bis hin zu unterirdischen Höhlengängen

Unsere letzte Reiseetappe begannen wir mit unserer lieb gewonnenen Brunni am Fuße des nahezu perfekten Vulkankegels Mt Taranaki. Wir folgten dann verwunschenen grünen Tälern, wo offenbar nur Schafe und Kühe zu Hause sind um zwischendurch zauberhafte Strandbuchten zu entdecken. Schließlich erkundeten wir schon in Reichweite zu Auckland einige der zahlreichen Höhlengänge im Gebiet Waitomo. Ein wundervoller Mix verschiedener Landschaften, bevor wir wieder im Dunstkreis der Metropole eintrafen.

Wir verließen den hübschen Ort Wanganui Richtung Norden, wobei wir dem SH3 entlang der Tasmanseeküste folgten. Erst im geschäftigen Ort Hawera hielten wir für einen Zwischenstopp um uns zur Halbinsel Taranaki im i-Site zu informieren. Dabei nutzten wir die Gelegenheit die 215 Stufen des Hawera Water Tower zu besteigen und uns von oben einen Überblick zu verschaffen. Danach folgten wir dem Surf Highway, der an der Küste Richtung New Plymouth verläuft. Sehr clevere Leute haben den SH45, an dem es „nichts weiter“ zu entdecken gab, mit einem riesigen Flyer vermarktet. Wir waren ein wenig enttäuscht, was aber vielleicht auch an dem sich zuziehenden Himmel lag und der Tatsache, dass einfach kein Café aufzufinden war. Nichts desto trotz hielten wir an verschiedenen Stränden und konnten zusehen wie sich die Surfer auf den hohen Wellen vergnügten. Bevor wir einen Schlafplatz bei einem Bootsclub fanden, besuchten wir noch den häufig auf Postkarten abgebildeten Leuchtturm am Cape Egmont. Wie als kleine Wiedergutmachung für den Surf Highway zeigte sich gegen Abend sogar für einen kurzen Moment der Gipfel des Mt Taranaki.
Am nächsten Morgen machten wir einen Abstecher ins Landesinnere und entdeckten den großzügig angelegten Garten in Pukeiti auf einem Morgenspaziergang. Nachdem wir in New Plymouth ankamen, erkundeten wir die bekannten Parks Pukekura und die Brooklands, die fließend ineinander übergehen. Das Ortszentrum war wie üblich recht ernüchternd, aber hier ist man schon etwas weiter als in anderen Städten denn es gibt eine nette Promenade direkt am Ufer. Dort steht auch das Wahrzeichen der Stadt, die 45m hohe Skulptur „Wind Wand“ von Len Lye. Nach einem Kaffee fuhren wir zur architektonisch schönen Te Rewa Rewa Bridge. Das kitschige Bild mit dem Mt Taranaki und der Brücke bot sich uns leider nicht. In der Nähe des Hafens erklommen wir schließlich noch den Paritutu Rock über Treppen und Steigeisen. Der weite Blick über die Küste entschädigte für die unerwarteten Qualen. 🙂 Die Nacht verbrachten wir günstig am Fuße des Mt Taranaki im Vorgarten eines von niederländischen Einwanderern geführten Restaurants.
Regentage sollten nun auch immer mal folgen und so nutzten wir den ersten um mit unserer Brunni zum VTNZ zu fahren. Hier wurde sie durchgecheckt, ein paar Glühbirnen wechselte René gleich vor Ort, und dann bekam sie ihre neue WOF (ähnlich dem deutschen TÜV). Das lief besser als erwartet und so konnten wir am Nachmittag in der Bibliothek noch ein paar Dinge erledigen, u.a. suchten wir bereits nach einer Wohnmöglichkeit für die letzten Wochen in Auckland. Die Nacht verbrachten wir auf einem kleinen Parkplatz an der nördlichen Zufahrt zum Mt Egmont Nationalpark.
Skeptisch schauten wir zum Himmel als wir unter dem dichten Blätterdach des Nationalparks aufwachten. Das Wetter sollte heute gut werden, doch war es das wirklich? Wir machten kurzen Prozess und fuhren die Mt Egmont Road hinauf zum DOC Visitor Centre auf ca. 930m Höhe. Wir konnten unser Glück kaum fassen – vor blitzblauem Himmel stand der 2518m hohe Mt Taranaki stolz vor uns. Wir informierten uns über die Wege und kurze Zeit später starteten wir mit unserer kleinen Wanderung auf den wunderschönen Berg. Ein steiler Weg führte uns auf satte 1520 Höhenmeter, von wo aus wir schon beobachten konnten wie die Wolken vom Meer zum Vulkan hin zogen. Wieder am Auto angekommen, ließen wir die schönen Eindrücke bei einem Kaffee sacken. Von hier aus fuhren wir wieder hinunter ins Tal, vorbei an Stratford, und schließlich die Manaia Road von Süden in den Nationalpark. Diese führt auf 910 Höhenmeter und endet am DOC Dawson Falls Visitor Centre. Hier nutzten wir das schöne Wetter noch für zwei kurze Wege, den Wilkies Pools Loop Track und den Kapuni Loop Track, der uns an den Dawson Falls vorbei führte. Der Wald war für uns hier besonders märchenhaft. Auf dem Parkplatz konnten wir über Nacht stehen bleiben und so den Abend noch angesichts des Mt Taranaki ausklingen lassen.
Nun folgten drei Tage mit durchwachsenem Wetter und wir waren froh in der Nähe einer größeren Stadt zu sein. So machten wir, was an solchen Tagen zu machen ist. Wir besuchten das Schwimmbad in Stratford und wuschen Wäsche. In New Plymouth gingen wir in die Bibliothek und ins Museum Puke Ariki. Die Regenpausen nutzen wir für Spaziergänge an der Promenade, fingen ein paar Sonnenstrahlen auf und beobachteten das tosende Meer. Zwei Nächte verbrachten wir am Ende der Mt Egmont Road, wo wir ab und zu einen Blick auf den Mt Taranaki erhaschen konnten. Am dritten Tag bastelten wir ein „4 Sale“ Schild für Brunni. Diese Reklame wird uns nun bis Auckland begleiten. Einmal schafften wir es auch noch, dass der Einsatz unseres Starthilfekabels notwendig wurde. Und schließlich hatten wir noch das Glück, dass der Himmel komplett aufzog, sich der Berg zeigte und wir am Lake Mangamahoe postkartenreife Fotos machen konnten. Den letzten Abend in Taranaki verbrachten wir am Ende der dritten Zufahrtsstraße zum Berg auf dem Stratford Plateau, was auf stolzen 1130m Höhe liegt. Hier waren wir mit ein paar Kaninchen alleine.
Am folgenden Tag fuhren wir einen Teil des Forgotten World Highway in Richtung Norden. Genau, die Stärke der Touristiker liegt in dieser Gegend wohl in dem Hervorheben sonst unbefahrener Straßen. 🙂 Der SH43 führte uns durch eine wunderschöne, saftig grüne Hügellandschaft über verschiedene Sattel. Der kleine Ort Whangamomona bezeichnet sich als „quicklebendige Geisterstadt“. Im berühmten Whangamomona Hotel bekamen wir allerdings einen Kaffee, der zu einem unserer besten in Neuseeland zählt. Wir verließen schließlich den Highway in Richtung Westen um den Mt Damper Falls einen Besuch abzustatten, die mitten in der Landschaft auftauchten. Nach weiteren Kilometern durch einsame Landschaft kamen wir an die Tasmanseeküste. Das Highlight südlich der Mündung des Tongaporutu Rivers sind die Three Sisters, die seit 2005 nur noch zu zweit sind, weil einer der 25m hohen Felsen einstürzte. Von einem Aussichtspunkt oberhalb der Klippen hatten wir eine gute Sicht auf die Flussmündung, den kleinen Strand mit den Felsen und die White Cliffs entlang der Küste Richtung New Plymouth und sogar bis zum Mt Taranaki, der mit dem Gipfel aus den Wolken herausschaute. Wir folgten nun schon auf Schlafplatzsuche dem SH3 bis Awakino und bogen dann von der Hauptstraße ab um in Küstennähe zu bleiben. Wir fuhren in der Abenddämmerung durch ein verwunschenes Tal, bis wir beim Waikawau Stock Tunnel eine versteckte Stelle zum Übernachten fanden. Von der herrlichen Landschaft um uns herum ahnten wir noch nichts, als wir im Dunkeln unser Lager aufschlugen.
Die Freude am nächsten Morgen war groß – durch den kleinen, von drei Männern gegrabenen Tunnel gelangten wir an eine kleine einsame Strandbucht in der das Meer toste. Als wir uns von diesem schönen Ort losgerissen hatten, fuhren wir weiter durch das Tal über Marakopa bis Te Anga. Hier kamen wir langsam wieder in die Zivilisation und folgten dem SH37 in Richtung Waitomo. Auf der Strecke hielt die Natur noch einige Überraschungen bereit: die schönen Marakopa Falls, die frei zugängliche Piripiri Cave und schließlich die Mangapohue Natural Bridge. Die oberflächliche Hügellandschaft von Waitomo ist schon nicht schlecht, aber das unterirdische Höhlensystem ist legendär. Wir buchten uns für den darauffolgenden Tag eine Tour für zwei eher unbekannte und damit nicht so überlaufene Exemplare. Am Nachmittag statteten wir noch Otorohanga einen Besuch ab. Der Ort bezeichnet sich als Kiwi-Hauptstadt, gleicht aber bis auf ein paar Schaukästen und einer bunten, übergroßen Kiwi-Skulptur jeder anderen Stadt. Die Schlafplatzsuche war dann umso abenteuerlicher – wir fuhren schmale Schotterstraßen in einen dichten Wald hinein. Immerhin war es bis auf die Rufe der Morepork-Eulen ruhig. 🙂
In einer kleinen Gruppe besuchten wir im Rahmen der „Spellbound Tour“ zwei der ungefähr 400 Höhlen von Waitomo. Die erste Höhle erkundeten wir zu Fuß, hier sahen wir verschiedene Formationen, eine große Kathedrale, Moa-Knochen und einige Glühwürmchen. Die zweite Höhle begingen wir mit Helmen. Nach einem kurzen Fußweg bestiegen wir ein knallrotes Gummiboot und wurden auf dem unterirdischen Fluss entlang gefahren – dabei wurde die Höhle nur durch die abertausenden Glühwürmchen erhellt. Zurück in der Stadt fuhren wir zum Ruakuri Bushwalk. Dieser Lehrpfad führte durch natürliche Höhlengänge, an einer Höhlenöffnung der Klamm vorbei und zum großen Ruakuri Natural Tunnel. Als Schlafplatz wählten wir nochmal den Wald, fuhren aber diese Nacht nicht so weit hinein.
Nach dem Waitomo Caves Discovery Centre besuchten wir den Kiwi House & Native Bird Park in Otorohanga. In dem Vogelpark, einer non-profit Organisation, waren die Highlights die Fütterung des Red-crowned Kakariki und der Kiwis. Am Nachmittag fuhren wir den SH31 bis nach Kawhia an der Tasmanseeküste. Der ruhige Fischerort war nicht so spannend wie seine heißen Quellen am schwarzen Ocean Beach. Das Wetter war nicht so prickelnd, da konnten wir die heißen Quellen in den großen Sandlöchern richtig genießen. Unseren Kreislauf hielten wir mit einem abschließenden Bad im Meer auf Trab. Im Nachhinein stellte sich der Besuch von Kawhia in Bezug auf den Verkauf von Brunni als sehr positiv heraus. Die Nacht verbrachten wir an einer Raststation in Oparau, wo der freundliche Besitzer gratis seine Wiese als Stellplatz anbot.
Die schlimmste Schotterstraße Neuseelands fuhren wir am nächsten Morgen bis zu den Bridal Veil Falls, einem 55m hohen Wasserfall. Von hier aus folgten wir Richtung Raglan der Küstenroute, wo wir Zwischenstopps am Ruapuke Beach und einigen Aussichtspunkten einlegten. Mit dem Surfer-Flair von Raglan konnten wir uns nicht identifizieren und fuhren nach einem Spaziergang wieder ins Landesinnere. Über viele Nebenstraßen durch das schöne Waikato erreichten wir am Abend Hamilton. In der Stadt fanden wir einen preiswerten Campingplatz auf dem wir insgesamt drei Nächte blieben.
Der erste Tag in Hamilton zeigte sich uns von seiner regnerischen Seite, also legten wir den üblichen Waschtag ein. Bei schönem Wetter besuchten wir tags darauf die großartig angelegten Hamilton Gärten. Außerdem machten wir einen Stadtspaziergang, gingen am Waikato River entlang und waren in der Bibliothek.
Am Nachmittag des dritten Tages verließen wir Hamilton Richtung Norden. Wir fuhren den SH1 Richtung Auckland und bogen in Ngaruawahia an die Tasmanseeküste ab. Von Te Akau aus fuhren wir parallel zur Küste weiter gen Norden. Auf der Strecke passierten wir einige Schotterstraßen auf denen wir ziemlich alleine unterwegs waren. In der Nähe von Waikaretu fanden wir einen abgeschiedenen Platz für die Nacht.
Brunni wurde am nächsten Morgen gar nicht richtig warm, denn es war nicht weit bis zur Nikau Cave. Einer Höhle, von der das i-Site in Hamilton nichts wusste. Wir hatten allerdings im Reiseführer von einer abenteuerlichen Höhlentour gelesen. Wir mussten das erste Mal in Neuseeland (außer beim Fallschirmsprung von René) eine Erklärung ausfüllen, dass wir gesundheitlich okay waren und von den Bedingungen wussten. Hm, na gut – etwas übertrieben, dachten wir vor der Tour. Nach einem kurzen Spaziergang über Weiden sahen wir zum letzten Mal Tageslicht, dann gingen wir etwa 1km durch die unbeleuchtete, völlig naturbelassene Nikau Cave. Mit unserem Guide waren wir insgesamt sieben Leute. Der sicherste Weg durch die Höhle führte durchs Wasser – okay. Der Weg war glatt, etwas schmal und wir mussten unsere Taschenlampen benutzen – okay. An einer Stelle kam ein schmaler Spalt, danach ein kleiner Gang durch den wir im Wasser robben mussten – nicht okay! Für Doreen, die kurz vergebens die Alternativen abwog, eine echte Herausforderung. So enge räumliche Begebenheiten waren eigentlich nicht ihr Ding, aber direkt hinter unserem Guide meisterten wir auch diesen Teil der Höhle. Abgesehen von unendlich vielen Stalaktiten gab es in der Höhle tausende Glühwürmchen. Diese Tropfsteinhöhle war die schönste Höhle, die wir je gesehen haben, Adrenalin inklusive. Es war grandios! Danach mussten wir unsere dreckigen, nassen Klamotten wechseln und gönnten uns erstmal eine Pause im Café. Am Nachmittag fuhren wir über Port Waikato und Tuakau nach Pukeno. In letzterem Ort wurde uns vom i-Site in Hamilton das Eisgeschäft mit 40 Geschmacksrichtungen empfohlen. Nach dem Höhlenabenteuer vom Vormittag eine gute Idee. Unsere letzte Nacht in freier Wildbahn verbrachten wir etwas wehmütig nördlich vom Waikato River an einer kleinen Bootsanlegestelle.
Unser letztes Frühstück vor Auckland nahmen wir am Karioitahi Beach an der Tasmansee oberhalb der Dünen zu uns. Das Wetter war uns nicht ganz so wohl gesonnen wie beim letzten Frühstück auf der Südinsel. Aber wir wollen uns nicht beschweren. 🙂 Den Abschluss bildeten an diesem Tag die Manukau Heads mit ihrem Leuchtturm an der Mündung des Manukau Harbour in die Tasmansee. Nachdem wir noch ein paar Buchten des Manukau Harbours angefahren hatten, setzten wir uns in Waiuku noch in ein Straßencafé und waren gespannt was uns in Auckland erwarten wird.

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Ein Gedanke zu “Vom perfekten Vulkankegel bis hin zu unterirdischen Höhlengängen

  1. Hallo Ihr Zwei,

    Eure Post ist angekommen. Vielen Dank! War eine schöne Überraschung. Schön von Euch zu hören, besser gesagt zu lesen.
    Ich lese Euren Blog immer mit Interesse. Und auch diesmal wieder traumhafte Fotos!
    Das halbe Jahr war schnell rum. Kaum zu glauben, das Ihr beide schon wieder kommt. Genießt die letzten Tage dort unten.

    Viele Grüße
    Christina

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