Zurück auf der Nordinsel – von Wellington nach Wanganui

Auf der Nordinsel zurück verbrachten wir einen Tag in Wellington, bevor wir weiter nach Norden fuhren. Die Kapiti Coast an der Tasmansee steht nicht auf den „Must Do“–Listen, wir wissen nun auch warum. Über die Ersatzhauptstadt Palmerston North fuhren wir nach Wanganui und den angrenzenden Nationalpark.

Wir wurden in Wellington von Pam geweckt, dem Zyklon der auf Fidschi sein Unwesen trieb. Wir stellten uns auf einen Regentag, mit Frühstück im Auto und Stadt von innen, ein. Beim Blick aufs Meer waren wir froh bereits gestern übergesetzt zu haben – der Bug der Fähren tauchte komplett in die Brecher ein. Viel Spaß! Wir nutzten das schlechte Wetter am Tage für ein paar Erledigungen. Den Abend verbrachten wir mit alkoholischen Getränken bis nach Mitternacht im Auto.
Zur Feier des Tages wurde ausgeschlafen – Geburtstagskinder dürfen ohne Wecker aufstehen. Doreen wünschte sich ein Frühstück in der Stadt und so fuhren wir ins Zentrum um den uns bekannten Parkplatz zu nutzen. Brunni machte uns hier leider einen Strich durch die Tagesplanung: Eine Seitenscheibe löste sich vom Fensterheber und verkantete. Also wurde das Frühstück verschoben und erstmal eine Werkstatt aufgesucht. Eine Stunde später stand der Wagen mit zwei Streifen Klebeband in der Stadt und wir fanden mittags um eins ein gemütliches Lokal das sogar noch so etwas wie Frühstück in der Auslage hatte. Anschließend verließen wir Wellington entlang der Kapiti Coast in Richtung Norden. Über Porirua fuhren wir nach Paekakariki, wo wir einen Spaziergang an dem langen Sandstrand machten. Von dem Aussichtspunkt oberhalb des Ortes hatten wir einen guten Blick auf die Küste und Kapiti Island. Weiter ging es bis Paraparaumu um nach einem Schlafplatz zu suchen. Wir fanden einen etwas teureren Campingplatz im Ort, der hatte allerdings für jeden Stellplatz ein eigenes Klo-/Duschhäusschen. Was für ein Luxus! Wir machten uns kurz frisch und gingen ins „Zentrum“, natürlich am Strand entlang. In einem ruhigen indischen Restaurant aßen wir zu Abend und stießen auf den schönen Tag an.
Der nächste Tag startete sonnig und wir genossen das sehr. Erst gegen Mittag besuchten wir das Southward Car Museum in Paraparaumu. Hier sind über 250 Oldtimer ausgestellt, darunter ein DeLorean, ein 300SL und auch die gute alte Pappe darf nicht fehlen. In Waikanae gingen wir ins Nga Manu Sanctuary, einem Vogelreservat. Gleich zu Beginn wurden die Aale gefüttert, die in dem Ententeich leben – was für ein Durcheinander. In den Vogelvolieren sahen wir dann Kaka, Parakeet, die Wood Pigeon, Eulen, Pukekos und den Tui. Einen Brown Kiwi entdeckten wir im verdunkelten Kiwihaus. Nach einem kleinen Snack fuhren wir bis nach Ashhurst, etwas nordöstlich von Palmerston North. Im Park fanden wir einen kleinen Campingplatz. Wir kochten, froren und gingen zeitig ins Bett.
Die Sonne zierte sich am nächsten Morgen. Trotz der Kälte zwangen wir uns im Freien zu frühstücken. Eine Werkstatt in Ashhurst reparierte danach den defekten Fensterheber und so konnten wir den ganzen Tag in der Stadt verbringen. Palmerston North ist die Ersatzhauptstadt Neuseelands. Sollte Wellington wegen eines Erdbebens oder Tsunamis nicht mehr bewohnbar sein, wird die Regierung hier her ausgelagert. Mehr hat diese Stadt auch nicht zu bieten. Wir nutzten hier nur die Bibliothek und fuhren am Abend weiter nach Wanganui. Dort suchten wir die Stellen auf wo angeblich campen erlaubt ist. Diese befanden sich nur leider mitten in der Stadt und waren nicht gekennzeichnet. Da wir keinen Strafzettel riskieren wollten und es schon spät war, fragten wir im Polizeirevier um Rat. Die sehr freundliche Dame am Empfang hörte sich unser Anliegen an und fragte anschließend den Sergeant. Kurz darauf verließen wir das Revier und wussten: So lange wir in Wanganui kein Parkverbot verletzen, sind wir herzlich willkommen und haben nichts zu befürchten. Das war unser größter und legalster wilder Schlafplatz in ganz Neuseeland.
Am nächsten Morgen mussten wir zeitig den Platz räumen, da ab 8:00 Uhr Parkgebühren fällig waren. Wir suchten uns einen schönen Platz im Virginia Park für das Frühstück und konnten dann auch gleich erleben wie Enten füttern auf Kiwi-Art geht: Man gibt jedem Kind eine ganze PACKUNG Toastbrot in die Hand und lässt sie einfach alles auf einen Haufen auskippen! Nach dem (Kultur-)Schock fuhren wieder in die Stadt zurück um den Durie Hill Elevator zu besuchen. Dieser Fahrstuhl wurde angelegt um das Gebiet oberhalb an die Stadt anzuschließen. Man grub einen Tunnel 213m tief in den Berg und baute einen Fahrstuhl, der die Leute 66m hoch zu ihren Häusern bringt. Oben angekommen kann man noch die 176 Stufen des Durie Hill War Memorial Tower, der aus Sandstein mit vielen fossilen Muscheleinschlüssen gebaut wurde, besteigen. Die Aussicht war beeindruckend: Wir konnten den Mt Taranaki im Westen und den Mt Ruapehu im Norden sehen. Zu letzterem verstellte uns zwar ein Wasserturm die uneingeschränkte Sicht, aber dabei wird sich sicher auch jemand etwas gedacht haben. 🙂 Vom Turm herabgestiegen nahmen wir die Treppe zurück ins Tal zum Auto. Nach dem obligatorischen Besuch im i-Site und einem Kaffee fuhren wir in Richtung Taupo nach Norden und bogen nach 15km in die Whanganui River Road ab. Die Straße windet sich schmal und kurvenreich den Whanganui River entlang bis sie nach 64km in Pipiriki, dem Tor zum Whanganui Nationalpark, endet. Unser erster Stopp war der Aramoana Summit auf 230m Höhe, der uns eine gute Aussicht auf das geschützte Tal verschaffte. Wir hielten an den weiteren Highlights der Straße – fossilen Muscheleinschlüssen, einem von Hand gegrabenen Tunnel und einer alte Mühle. Kurz vor dem Ort Jerusalem (nein, wir hatten uns nicht verfahren) fanden wir eine perfekte Stelle für die kommende Nacht. Wir besuchten noch die hübsche Kirche im Ort bevor wir unser Nachtlager bezogen. Hier leisteten uns später noch fünf Kanufahrer Gesellschaft.
Nach einer bitterkalten Nacht frühstückten wir im Auto und fuhren danach weiter nach Pipiriki. Hier checkten wir pünktlich ein um unsere Flusstour zu starten. Mit dem Jetboot ging es den Whanganui River hinauf. Wir stoppten an einigen Stellen an denen unser Guide Thomas von der Geschichte sowie der Natur am und auf dem Fluss erzählte. Nach 32km verließen wir das Boot und gingen ca. 40min durch den Regenwald bis zu einer Brücke die mitten im Wald steht. Hier an der „Bridge to Nowhere“ gab es heißen Kaffee und Kekse. Danach erfuhren wir von der Geschichte der Brücke und den Menschen die sie erbauten und die hier lebten. Zurück im Jetboot wurden wir 10km nördlich von Pipiriki an einem bereitgestellten Kanu ausgesetzt. Nach einem kurzen Crashkurs saßen wir in einem wackeligen Boot und waren nur noch zu zweit. Wer dachte Tandemfahren wäre der ultimative Test für die Beziehung der wurde hier eines Besseren belehrt! Auf der Hinfahrt im Jetboot wurden wir schon auf die Stromschnellen aufmerksam gemacht, die auf uns warteten. Die Geschichte von den fünf zerschellten Kanus an der Ersten hatte sich nachhaltig in unser Gedächtnis gebrannt. An eben diesem Felsen liefen wir im flachen Wasser auf Grund und René musste das Boot wieder anschieben. An der Nächsten trugen wir das Boot samt Gepäck vorsichtshalber gleich über die Steine. Bei der nächsten Stromschnelle war uns das Theater zu blöd und wir durchfuhren sie tapfer, das herannahende Jetboot wartete geduldig ab. Ohne hier weiter jede Welle zu erwähnen – wir blieben trocken. Nach mehr als zwei Stunden erreichten wir unser Ziel und waren um eine Erfahrung reicher. Nach einer kleinen Pause fuhren wir die Straße weiter bis Raetihi. Der SH4 führte uns durch die großartige Landschaft zurück nach Wanganui. Wir schliefen wieder in der Stadt.
Die nächsten zwei Tage vertaten wir uns in Wanganui – erkundeten die Stadt zu Fuß und erledigten ein paar Sachen. Unser letztes Frühstück genossen wir am Kai Iwi Beach der uns von dem Kärtner am Mt Cook empfohlen wurde. Nach einem Spaziergang am Strand verließen wir Wanganui in Richtung Westen um das vorletzte Kapitel unserer Reise zu beginnen.

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