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Vom großen Onkel zurück nach Wellington – bye, bye Südinsel

Von den Pinguinen am Meer fuhren wir zu den Schafen und Weiden ins Inland von Canterbury. Das Mackenzie Becken, benannt nach einem Viehdieb, begrüßte uns mit steppenähnlicher Landschaft und belohnte uns mit einem großartigen Blick auf den „großen Onkel“ Aoraki/Mt Cook. Die Orte am Straßenrand sind nahezu bedeutungslos, die Straßen durch diese Gegend sind das Highlight. Zurück in Christchurch begann die Rückreise für uns – etwas wehmütig verließen wir die Südinsel.

Mit einem reich gedeckten Frühstückstisch verrieten wir unsere Herkunft. „Bei so einem Frühstück kann es sich nur um Deutsche handeln“, sagte die Landsfrau des Wohnmobils nebenan. Wir nahmen hier, hoch oben auf den Klippen, vorerst Abschied vom Meer. Auf dem Weg nach Norden passierten wir den 45. Breitengrad – unsere Hoffnung auf wärmere Gefilde, so viel vorweg, sollte nicht erfüllt werden. Der SH83 führte uns durch ein schmales Tal, der Fluss Waitaki wird durch drei mächtige Staustufen gezwängt und zur Stromgewinnung genutzt. In Omarama bogen wir in das Mackenzie Becken ab. Die Sonne hatte sich inzwischen durch die Wolkendecke gekämpft und die Oberhand gewonnen. Wir konnten uns sicher sein, dass in den Gipfeln der Alpen keine Wolken hängen. Als wir am Lake Pukaki den ungetrübten Blick zum Aoraki/Mt Cook sahen, konnten wir unser Glück kaum fassen. Wir nutzten die Chance und machten uns auf den 55km langen Weg zum Mt Cook Village. Um die Aussicht festzuhalten stoppten wir ein paar Mal am Straßenrand und erreichten am späten Nachmittag das Dorf. Dort gibt es nichts außer einem riesigen Hotel und Einrichtungen des DOC. Auf der Terrasse des Hermitage Hotels genossen wir einen Kaffee mit bester Aussicht auf den Aoraki/Mt Cook und die umliegenden Gipfel. Nach einer Stunde rissen wir uns los um noch einen Blick auf den Tasman Gletscher zu erhaschen. Das Bild des Gletschersees mit den darauf treibenden Eisbergen und dem verkümmerten Gletscher war ein wenig traurig. Das Bergpanorama hingegen imposant. Hier trafen wir einen netten Kärntner mit dem wir lang Reiseinfos und Erfahrungen austauschten und dabei die Zeit vergaßen – wir konnten uns nicht satt sehen. Im Gegensatz zu vielen europäischen Gebirgen steht man hier auf nur ca. 500 Höhenmetern am Fuße der Gipfel, die bis zu 3754m hoch sind. Den Abend verbrachten wir auf dem DOC-Campingplatz am Rande des Dorfs im Nationalpark. Von hier aus gingen wir noch ein Stück um den Gipfel des Aoraki/Mt Cook bei Sonnenuntergang zu beobachten. Der Abend klang mit einem kristallklaren Sternenhimmel und österreichischem Bier aus.
Als es hell wurde, blitze die Sonne durch die Wolken und strahlte den Huddleston Gletscher an, der sich an die Flanke des Mt Sefton „direkt über uns“ klammert. Trotz der Kälte frühstückten wir im Freien, die grandiose Kulisse lenkte gut ab. Der kurze Spaziergang zum Kea Point sollte uns zum Mueller Gletscher führen, wir konnten allerdings nur seinen See erspähen – vom Eis keine Spur. Wir genossen den Anblick des Bergpanoramas und vergaßen darüber schnell den verkümmernden Gletscher. Nach einer Dusche im Dorf fuhren wir zurück auf den Highway und bogen noch einmal in Richtung Süden ab. Auf einer Lachsfarm aßen wir frisches Sushi mit Edellachs (fettarm und, da das Flusswasser so sauber ist, ohne Antibiotika) und wir folgten den Kanälen, die die Wasserkraftwerke füttern, bis nach Twizel. Zurück am Lake Pukaki, Aoraki/Mt Cook inzwischen in Wolken gehüllt, beobachteten wir eine chinesische Braut die für Hochzeitsfotos posierte. Als vier polnische Motorradfahrer hielten, wurden diese sogleich in Beschlag genommen. Vor Neuseelands höchstem Berg standen nun polnische Motorradfahrer mit einer chinesischen Braut und machten Fotos! Im Ort Lake Tekapo machten wir einen Spaziergang über die „Promenade“, hier ist das eine befahrbare Straße an der dem See abgewandten Seite mit vielen Geschäften. Auf einem Campingplatz am Lake McGregor verbrachten wir eine kalte, ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen liefen wir uns warm und frühstückten im Freien. Die Sonne ließ auf sich warten, also überbrückten wir die Zeit im Thermalbad. Nach drei Stunden Entspannung in den bis zu 40°C warmen Becken der „Tekapo Springs“ aßen wir im Ort Lake Tekapo zu Mittag und fuhren danach auf den Mt John. Das ist ein 1031m hoher Berg auf dessen Gipfel ein Observatorium der Universität Canterbury und ein Café stehen. Der 360°-Ausblick ist beeindruckend und der Kaffee, als einer der besten im Lande empfohlen, recht gut. Am Nachbartisch versuchte unterdessen eine Deutsche eine chinesische Reisegruppe zu einem Besuch in Deutschland zu überreden. Spätestens als sie hörten, man könne auf den Autobahnen so schnell fahren wie man will, waren sie überzeugt. Nach einem kurzen Erfahrungsaustausch mit der jungen Hamburger Familie fuhren wir zurück ins Dorf um an der Church of the Good Shepherd das obligatorische Foto zu machen. Über den Burkes Pass (709m) ging es weiter nach Fairlie, der Grenze zum Mackenzie Country. Hier steht ein Denkmal des Viehdiebs James Mackenzie und seinem Hund Friday. Erst bei der Verfolgung von Mackenzie wurden die Häscher darauf aufmerksam, dass Viehwirtschaft in der scheinbar unwirtlichen Gegend möglich ist. Nachdem René ein Eis bekommen hatte, fuhren wir weiter über Nebenstraßen Richtung SH1 um westlich von Waitohi unser Ziel zu erreichen. Hoch oben auf einem Pfahl prangt das Modell des ersten Fluggeräts Neuseelands. Damit hat Richard Pearse eine denkwürdige Bruchlandung hingelegt. Vor den Gebrüdern Wright machte er zumindest einen Hopser, der allerdings nicht als erster Flug anerkannt wurde. Über Pleasant Point, am SH8, fuhren wir zum SH1, tankten in Ashburton und fotografierten die mit 1,8km längste Straßenbrücke Neuseelands in Rakaia. Gegen Abend hatten wir unser Ziel erreicht – Coes Ford, den Campingplatz südlich von Christchurch, den wir schon gut kannten.
Die zwei folgenden Tage verbummelten wir in Christchurch. Fähre buchen, einkaufen, Wäsche waschen, Auto aufräumen und Notschnitt beim Friseur in der Westfield Mall. René wird in zehn Minuten abgearbeitet, nachdem er sich einen abgebrochen hat zu erklären wie es denn werden sollte. Doreen ist länger unterwegs und erwischt die wahrscheinlich einzige deutsche Friseurin in Christchurch.
Unsere Rückreise nach Picton startete im Antarctic Centre nördlich von Christchurch. Hier wurden wir in einem 4D-Kino unterhalten, sahen die Fütterung der Zwergpinguine, froren bei einem künstlichen Sturm bei -18°C und sahen diverse Ausstellungen zu Expeditionen in die Antarktis. Noch heute wird Christchurch, wie schon zu Scotts Zeiten, als Ausgangspunkt für Forschungsreisen an den Südpol genutzt. Ein Highlight war die Fahrt mit dem schwedischen Kettenfahrzeug Hägglund, ursprünglich für das Militär entwickelt, das im ewigen Eis oft guten Dienst tut. Am Nachmittag starteten wir nach einer Mittagspause frisch gestärkt nach Norden. Der Himmel war zugezogen und die Aussicht wenig spannend, zumal wir diesen Teil der Strecke schon kannten. In Kaikoura zeigte sich die Sonne wieder und wir hielten kurz um uns die Beine zu vertreten. Noch war es zu zeitig für den Campingplatz, also fuhren wir auf dem SH1 weiter. Dieser Abschnitt war neu für uns und deshalb legten wir ein paar Stopps ein. Wir hielten am Ohau Point und sahen eine große Gruppe Robben, die sich auf den Felsen aalte. Der Lake Grassmere, ein Salzwasserhaff, enttäuschte eher. Hier wird industriell Salz abgebaut, das sieht einfach nicht gut aus. In Seddon bogen wir vom Highway ab und fuhren durch Weinfelder, die bis zum Horizont reichten. An einem kleinen Teich mit Picknicktischen kochten wir das Abendessen. Im Dunkeln trafen wir in Renwick ein, wo wir, wie schon knapp zwei Monate zuvor, auf einem Parkplatz schliefen.
Wir verließen früh den Platz und nahmen den SH6 nach Havelock. Dort fanden wir eine traumhafte Stelle für unser letztes Frühstück auf der Südinsel. Das Wetter war traumhaft und wir genossen die Sonne. Der direkte Weg nach Picton führte uns wieder entlang des Queen Charlotte Drive. In Picton schlenderten wir noch einmal an der Promenade entlang. Bevor wir zum Interislander-Terminal fuhren und für die Fährüberfahrt nach Wellington eincheckten, nahmen wir Abschied. Nach zwei Monaten, 8000km Autofahrt über die höchsten Pässe und die rauesten Straßen verließen wir die Südinsel. Die Überfahrt war ruhig und in Wellington kannten wir uns schon aus. Bei schönem Wetter gingen wir noch am Hafen spazieren. Den bekannten Campingplatz am Strand fand Brunni fast allein. Wir kochten und tranken ein Bier auf den Abschluss der Südinsel.

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Von Pinguinen und Inselwetter an der Pazifikküste

Als wir das Fjordland verließen, wussten wir noch nicht so richtig was auf uns zukommt. Also war eigentlich alles wie immer in den letzten vier Monaten. Nur wurde uns langsam bewusst, dass wir uns bereits auf dem Rückweg unserer Reise befanden. Ein Trost dabei war die schöne und wenig überlaufene Küstenlandschaft vom südlichsten Punkt Neuseelands bis Oamaru.

Der Morgen nach der Nacht am Lake Monowai begann kalt und regnerisch, wir fuhren etwas verschlafen los und folgten der Southern Scenic Route über Clifdon und Tuatapere. Ein paar Kilometer weiter klarte der Himmel plötzlich auf, Meereswind stieg in unsere Nase und wir sahen das Meer. Große Freude kam auf als wir am McCracken’s Rest Lookout den Blick über die 27km lange Waewae Bay schweifen ließen. Danach folgte eine Bucht der anderen: Am Gemstone Beach sammelten wir Steine, an der nächsten Bucht konnten wir bei Ebbe Monkey Island besteigen und ein paar Nebenstraßen entfernt hielten wir in der felsigen Bucht Cosy Nook, wo es so schien als sei die Zeit stehen geblieben. Am Surferstrand in der Colac Bay war alles ruhig, da die Wetterbedingungen der letzten Tage das Schwimmen untersagten. Ein Hauch von Zivilisation begegnete uns im Küstenort Riverton, wo wir uns im gemütlichen Café „Beach House“ kulinarisch verwöhnen ließen. Danach fuhren wir noch die letzte Etappe bis Invercargill, nach dem obligatorischen Besuch des i-Sites fanden wir uns für zwei Nächte auf dem Campingplatz Beach Road Holiday Park im Stadtteil Otatara ein.
Die Sonne begrüßte uns am nächsten Morgen, an dem wir einfach mal nichts machten. Gegen Nachmittag fuhren wir in die Stadt um das Southland Museum und vor allem das Tuatara House zu besuchen. Hier leben die vom Aussterben bedrohten Brückenechsen Tuatara. Nach einer Stadtrundfahrt mit Brunni, bei der wir einige historische Gebäude sahen, machten wir noch einen Abstecher an den Oreti Beach. Dort trainierte Burt Munro, der mit seiner World‘s Fastet Indian Geschwindigkeitsrekorde aufstellte.
Da es bei Sonne jeder kann, besuchten wir Stewart Island an einem nicht so sonnigen Tag. Das ist auch viel herausfordernder für die Beziehung. 🙂 Wir fuhren in der Früh nach Bluff, wo die Fähre nach Stewart Island ablegte. Nach einer unruhigen einstündigen Fahrt kamen wir am Vormittag im Ort Oban auf der Insel an. Wir machten hier einen kleinen Rundgang durch den Ort und gingen zum Bathing Beach sowie zum Mill Creek. Gegen Mittag wurden wir von einem Wassertaxi abgeholt um nach Ulva Island überzusetzen. Auf der Fahrt konnten wir Buller-Albatrosse aus nächster Nähe sehen. Die Insel Ulva Island ist ein Vogelreservat, dementsprechend hatten wir uns mit einem Naturführer ausgestattet. Auf den verschiedenen Wegen machten wir uns auf die Suche nach seltenen Vögeln und entdeckten einige Besonderheiten der hiesigen Flora. Im Schutz des grünen Blätterdaches konnten wir den Stewart Island Robin, den Stewart Island Weka, den New Zealand Parakeet, den Oystercatcher, die New Zealand Wood Pigeon und den munteren Fantail beobachten. An den verschiedenen Stränden erahnten wir, wie schön es hier an einem sonnigen Tag sein muss. Am Nachmittag wurden wir wieder vom Wassertaxi abgeholt und an der Golden Bay Wharf auf Stewart Island abgesetzt. Von hier aus gingen wir noch ein paar Spazierwege und warteten auf unsere Fähre zum Festland. Am Abend machten wir noch einen Abstecher zum Stirling Point in Bluff. Hier deutet ein Mast mit Hinweisschildern in alle Welt – Bluff stellt sich als südlichsten Punkt der Südinsel dar, obwohl das geografisch nicht stimmt. Die Nacht verbrachten wir östlich von Invercargill auf einem günstigen Stellplatz beim Café „Lignite Pit“.
Ein freundlicher Tag erwartete uns und so ließen wir uns einen Morgenspaziergang durch den großzügig angelegten Garten beim Café nicht entgehen. Anschließend brachen wir auf, um den Landstrich der Catlins zu erkunden – eine recht unbekannte Gegend mit reizvollen Naturphänomenen. Der erste Stopp war am Waipapa Point, wo der Leuchtturm als Anziehungspunkt dient. Allerdings zogen die riesigen Seelöwen am Strand, die wir unerwartet entdeckten, unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich. Weiter östlich an der Küste gelangten wir zum Slope Point, wo hoch oben auf den Klippen der wahre geografisch südlichste Punkt der Südinsel markiert ist. Mit 4803km Entfernung standen wir näher am Südpol als am Äquator. Danach fuhren wir zur Landzunge zwischen Porpoise und Curio Bay. Ein Sandstrand ist auf der einen Seite und Klippen sind auf der anderen, wo wir von weitem einen jungen Gelbaugenpinguin sehen konnten. Der nächste Halt war an den Niagara Falls, hier benannte ein Witzbold eine Stromschnelle nach dem großen nordamerikanischen Vorbild. Ein Spaziergang führte uns danach zu richtigen Wasserfällen, den McLean Falls, die mit 22m die höchsten der Catlins sind. Als nächstes hielten die Catlins wieder ein Highlight an der Küste bereit – die Cathedral Caves. Hier führte uns ein Waldweg zum Waipati Beach, wo das Meer zwei längliche Höhlen geschaffen hat, die sich an deren Enden treffen. Dieses Höhlensystem ist nur bei Ebbe begehbar. Nach den Naturphänomenen tauchten wir an der Roaring Bay in die Tierwelt ein, wo wir von einem Beobachtungsstand aus Gelbaugenpinguine entdecken konnten. Sie kommen in der Dämmerung vom Jagen heim und watscheln zu ihren Jungen, die in den Nestern am Strand geblieben sind. Anschließend nutzten wir den schönen Abend noch um am Nugget Point zum Leuchtturm zu gehen, der auf der Spitze des Landvorsprunges 131m über dem Meer thront. Hungrig geworden von den vielen Eindrücken fanden wir in Owaka noch eine offene Kneipe, die uns Pasta servierte. Die Nacht verbrachten wir auf dem DOC-Campingplatz in der Purakaunui Bay.
Mit dem Wahrzeichen der Catlins, den Purakaunui Falls, setzten wir unsere Erkundungstour am kommenden Morgen fort. Danach entschieden wir uns zur Jacks Bay zu fahren um zum Jack’s Blowhole zu gehen. Dieses ist 55m tief, 144m lang, 68m breit und 200m von der Küste entfernt inmitten einer Weide. Nachdem wir am Tunnel Hill durch einen 250m langen ehemaligen Eisenbahntunnel gingen, der per Hand gegraben wurde, fuhren wir nach Baclutha und verließen damit die Catlins. Von hier aus folgten wir wieder der Southern Scenic Route Richtung Dunedin. Mittagspause machten wir am sonnigen Whale Fossil Lookout mit wunderschöner Aussicht über die sogenannte „Rolling-Hills-Landschaft“ und den Lake Waihola. Anschließend führte uns die Küstenstraße entlang an Sandstränden bis nach Dunedin, wo wir uns zunächst eine heiße Dusche gönnten.
Dunedin ist eine Stadt, die wunderbar gelegen ist – in einem geschützten Kessel am Meer, mit der Otago Peninsula als Wildlife-Refugium. Die Stadt bietet einige Möglichkeiten und wir finden außerhalb in Warrington einen kostenlosen Campingplatz. Da für einzelne Tage immer wieder eine Schlechtwetterfront im Radar zu sehen war, beschlossen wir insgesamt eine Woche zu bleiben. Somit hatten wir genug Zeit um die Gegend zu erkunden und einige Dinge zu erledigen. Außerdem gab es beim Campingplatz unzählige Sandmuscheln, was das ein oder andere Essen retteten.
Wir verschafften uns zunächst von dem 680m hohen Mt Cargill einen Überblick. Danach ließen wir es uns nicht nehmen die Baldwin Street, die steilste Straße der Welt, mit Brunni hoch und auch wieder hinunter zu fahren. Erst später sahen wir die Schilder, dass dies nicht empfohlen wird. Um ein Gefühl für die 38% Steigung im oberen Teil zu bekommen, gingen wir die Straße auch nochmal zu Fuß hinauf. Danach schauten wir vom Signal Hill Lookout auf die Stadt, bevor wir mit unserem Stadtrundgang begannen. Von den Gebäuden in Dunedin sei der Bahnhof erwähnt, der wohl der meist fotografierte der Welt sein soll. Wir fragen uns nur, wer so etwas herausfinden will. Ansonsten hält die Stadt sehr schöne historische Kirchen und Bauten bereit.
Bei kaltem Nieselregen flüchteten wir uns ganz selbstverständlich in die Cadbury World, der Schokoladenfabrik in Dunedin. Hier genossen wir den Schokogeruch, bekamen einen Eindruck von der „neuseeländisch-australischen Freundschaft“ und versorgten danach unsere Gemüter im Café. Etwas stolz war René darauf, dass die Roboter und Maschinen aus Deutschland und Holland importiert waren. Doreen war hingegen eher vom Schokobrunnen angetan.
Einen Tag widmeten wir der Otago Peninsula, die wieder einmal Inselwetter für uns bereithielt. Am St Kilda Beach in Dunedin hatten wir noch wunderschönes Wetter. Auf der Halbinsel folgten wir der Highcliff Road, von der wir schöne Ausblicke auf den Hafen von Dunedin hatten. Das einzige Schloss von Neuseeland, das Larnach Castle, befindet sich hier oben. Aufgrund der königlichen Ticketpreise verkniffen wir uns jedoch einen Besuch. Sattdessen machten wir einen schönen Spaziergang über Weiden und Dünen zur Sandfly Bay. Diese Bucht ist zum Glück nicht nach den lästigen Tierchen, sondern nach dem fliegenden Sand benannt. Hier bekamen wir schon einen Vorgeschmack auf den kalten Wind, der uns am Aussichtspunkt am Ende der Sandymout Road erwartete, wo wir uns im Auto erstmal mit einem heißen Gulasch aufwärmten. Der Blick von hier oben ließ viel Raum für Fantasie – wir sahen nämlich nichts. Dafür erwartete uns am Allans Beach eine Seelöwenmutti mit ihren zwei Jungen, denen wir beim Spielen zusehen konnten. Von hier aus fuhren wir nach Portobello um uns mit einem Kaffee für den langen Abend zu stärken. Die Spitze der Halbinsel, Taiaroa Head, war danach unser Ziel. Hier befindet sich das Royal Albatross Centre, welches ein Schutzgebiet für Albatrosse und Pinguine geschaffen hat. Eine einstündige Beobachtungstour im Dunkeln ließ uns hautnah miterleben wie die Zwergpinguine an Land kamen und zu ihren Nestern watschelten.
Ein regenfreier Tag war zu erwarten, als wir die Küste nördlich von Dunedin erkundeten und einen Schlenker nach Central Otago machten. Auf dem Weg Richtung Norden machten wir einige Stopps am Meer. Es regnete zwar nicht, aber wir konnten beobachten wie sich die Wolken vom Meer aufs Festland schoben. In der Nähe des Fischerortes Moeraki fanden wir durch Zufall den Abzweig zum Katiki Point über eine Schotterstraße. Der weiße Leuchtturm vor den weißen Wolken war nicht so beeindruckend wie das Reservat der Gelbaugenpinguine unterhalb. Wir staunten nicht schlecht, als wir aus nächster Nähe die jungen Pinguine außerhalb ihrer Nester sehen konnten. Der letzte Halt an der Küste war bei den bekannten Moeraki Boulders. Am Strand liegen Felskugeln in verschiedenen Größen und Stadien, sie wurden aus der Uferböschung gespült und sind ähnlich wie Muschelperlen entstanden (Konkretion). Ein überteuertes Café mit Souvenirshop hat sich dies zum Nutzen gemacht. Wir fuhren zurück nach Palmerston, wo plötzlich der Himmel aufgezogen war und die Sonne schien. Während wir bei einem Kaffee saßen, überlegte Doreen wie sie René dazu bekommt nicht den direkten Weg nach Dunedin zurück zu fahren. Kurzum, ohne hier Geheimnisse auszuplaudern, nahmen wir den Umweg über Central Otago. Von Palmerston fuhren wir den SH85 ins Landesinnere bis Dunback, von hier die Verbindung bis Middlemarch und dann den SH87 bis zum SH1 an der Küste, der direkt nach Dunedin führt. Die Rundfahrt war ein Genuss, da wir viele verschiedene Eindrücke von der Landschaft bekommen konnten. Auch hier war mal wieder eine Ecke, in der es mehr Schafe als Mietcamper gab, was wir sehr genossen.
Unser letzter Tag in Otago galt der freundlichen und liebenswerten Stadt Oamaru an der Küste. Das Meer ist besonders blau und die Stadt punktet außerdem mit ihren historischen Bauten. Wir waren besonders vom Hafenviertel angetan. Nach einem Spaziergang genossen wir verschiedene Proben in „The New Zealand Malt Whisky Company“. Der Whisky stammt aus der südlichsten Brennerei der Welt, die allerdings seit Jahren nicht mehr produziert. Nach diesem kulinarischen Highlight folgten noch zwei weitere in einer europäischen Bäckerei und einer sehr guten Käserei. Gestärkt besuchten wir danach einen Aussichtspunkt südlich der Stadt und fuhren zu einer Kolonie der Gelbaugenpinguine am Bushy Beach südlich von Oamaru. Die Nacht verbrachten wir in der Nähe des Ortes direkt am Meer, wo wir für die nächste Etappe erstmal Abschied von der Küste nahmen.