Vom schrillen Queenstown ins ruhige Fjordland

Von der abwechslungsreichen Landschaft der West Coast mit rauer Küste, Regenwald, Seen und Bergen zogen wir uns nun in das Inland zurück. Nachdem wir uns um Wanaka und Queenstown an den Seen, umrahmt von Gipfeln die weit in die 2000er reichen, satt gesehen hatten, fuhren wir weiter in das Fjordland um den Milford Sound, ein Muss auf jeder Neuseelandreise, zu besuchen.

Von Makaroa führte uns der Highway an den Lake Wanaka. Der Blick haute uns fast um: Ein blauer, klarer See in Mitten von steilen Felswänden die in kahlen Gipfeln enden. Dieses Bild begleitete uns bis wir zum Lake Hawea abbogen. Der war für uns fast noch imposanter, größer und beeindruckender. Hier machten wir auf einem Campingplatz direkt am Ufer Rast und ließen die Eindrücke sacken. Nachdem wir in Wanaka einige Sachen erledigten, genossen wir diesen Abend und die folgenden auf einem Campingplatz direkt am Hawea River.
Der Morgen begann trüb – es war Regen angesagt. Wir frühstückten noch im Freien während schon einige Tropfen fielen. Zur Überbrückung des Wetters gingen wir in die Puzzling World, einem „Spielplatz“ mit allerlei optischen Täuschungen, einem geneigten Haus und einem riesigen Labyrinth. Nach drei Stunden hatten wir uns ausgetobt und stellten fest, dass die Wettervorhersage nicht zutraf – die Sonne schien. Wir disponierten kurz um und bestiegen den Mt Iron. Auf dem Gipfel wurden wir mit einem großartigen Rundumblick belohnt.
Der nächste Tag startete wieder bewölkt, also brauchten wir uns nicht zu beeilen. Nachdem sich die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke brach, fuhren wir zum Aspiring Nationalpark. Nach der obligatorischen Schotterstraße durften wir noch neun Furte durchqueren. Wegen des trockenen Wetters der letzten Tage keine große Sache – bei Regen wurde vor der Passage gewarnt. Brunni war tapfer und wir starteten bei schönstem Wetter ins Rob Roy Glacier Valley. Nach knapp anderthalb Stunden Wanderweg erreichten wir den oberen Aussichtspunkt. Wir waren geplättet: Ein riesiger Gletscher hängt förmlich am Felsen oberhalb einer steilen Wand an der sich unzählige Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Wir saßen hier sprachlos und beeindruckt eine Zeit lang einfach da.
Am folgenden Vormittag fuhren wir nach dem Frühstück über die Crown Range Road Richtung Queenstown. Die Straße führte uns hinauf zum 1076m hohen Pass und dann in steilen Serpentinen wieder hinab. Im Tal fuhren wir zunächst Richtung Osten an die Kawarau Bridge. Hier stürzen sich im Minutentakt die Menschen am Bungeeseil in die 43m tiefe Schlucht. Beim Zuschauen beschlossen wir, dass das nichts für uns ist. Wir fuhren die Straße weiter ins Gibbston Valley, wo wir uns hervorragenden Käse zum Mittag kauften und Wein verkosten konnten. Auf dem Weg zurück Richtung Westen hielten wir an einem weiteren Weingut, das gerade 25jähriges Jubiläum feierte. Hier gingen wir durch den Weinkeller und bekamen eine Probe direkt aus dem Fass. Unser nächster Halt war in Arrowtown. Das ehemalige Goldgräberstädtchen hat sich hübsch hergerichtet und wir bummelten hier durch die kleinen Läden. Nach einem Kaffee, serviert von einem slowakischen Kellner der in Deutschland studierte, fuhren wir weiter. Natürlich kamen wir die lauteste und vollste Straße nach Queenstown hinein. Wir wussten, dass hier viel los sein wird, aber dass es so voll und laut ist, hatten wir nicht erwartet. Am Lake Wakatipu machten wir eine Pause um die Campingplatzfrage zu klären. Da taten sich die Schleusen auf und es regnete heftig. Da die Sonne schien, konnten wir nicht nur einen Regenbogen sehen der direkt im See endete, sondern auch noch einen Zweiten. Am Campingplatz 12 Mile Delta, zehn Kilometer am See entlang, fanden wir unseren Schlafplatz für zwei Nächte.
Von der Sonne wachgeküsst, fuhren wir am Ufer des Lake Wakatipu entlang Richtung Norden bis nach Glenorchy. Die Kamera glühte als wir ankamen und am See spazieren gingen. Das Wetter war herrlich und der Ausblick auf die Berge und den 2816m hohen Mt Earnslaw ebenso. Zurück in Queenstown stellten wir uns für den obligatorischen Fergburger an. Nach kurzen 25 Minuten (Wartezeiten über einer Stunde sind hier keine Seltenheit) durften wir bestellen, nach weiteren 15 Minuten hielten wir unser Mittagessen in der Hand. Es ist vielleicht nicht der beste Burger der Welt, aber er ist verdammt nah dran. Nach einem Kaffee entschlossen wir uns zur finalen Selbstkasteiung den Queenstown Hill zu besteigen. Nach 45 Minuten für die 500 Höhenmeter bei bestem Wetter beruhigte nur die Aussicht über Lake Wakatipu, Queenstown und die Berge.
Zum Mittag des nächsten Tages erreichten wir den Shotover River. Hier machten wir eine, nein DIE Jetbootfahrt überhaupt. Prinz William und Gattin Kate fuhren diese Jetboottour 2014. Es ist der einzige Anbieter, der auf dem Shotover River fahren darf und der Einzige mit 360°-Drehungen. Nach einem halbstündigen Adrenalinschub ging es in die gemächlichere Brunni. Über Arrowtown fuhren wir nach Frankton um die Vorräte aufzufüllen und hielten später noch in Garston (nach eigenen Angaben der Ort in NZ, der am weitesten vom Meer entfernt ist). Wir bogen nach Te Anau ab und tankten dort voll um auf dem 120km langen Te Anau – Milford Highway nicht liegen zu bleiben. Ab hier gibt es keine Tankstelle mehr. Der letzte große Campingplatz an der Straße wird unser Startpunkt für den nächsten Morgen.
Etwas träge erwachten wir, bis wir am Himmel ein paar Lücken in den Wolken entdeckten – es wird aufziehen. Nach einer halben Stunde saßen wir im Auto und fuhren das letzte Drittel Weg bis zum Milford Sound. Die Aussichtspunkte lohnten sich wegen der noch tief hängenden Wolken nicht. Wir überquerten The Divide, wie die Wetterscheide der Alpen genannt wird, und passierten den 1,2km langen, in den blanken Fels gehauenen, einspurigen Homer-Tunnel. Danach wand sich die Straße in das Tal und nicht einmal 60 Minuten nach unserem Start waren wir am Ziel. Blauer Himmel und ein paar kleine Wölkchen hingen am Mitre Peak im Milford Sound. Ein Glück dieses Wetter zu haben, hier an einem der regenreichsten Orte Neuseelands. Wir waren glücklich und frühstückten erst einmal im Auto bevor die Sandfliegen uns frühstücken konnten. Anschließend gingen wir zwei kurze Wanderwege um uns danach am Fährterminal einzutreffen. Wir machten eine Schifffahrt auf dem Fjord. Ein Guide erklärte während der Fahrt die Naturphänomene. Wir sahen Robben und am Ende des Fjords vier Pinguine im Wasser die, ganz untypisch, während der Mauser jagten. Wir stiegen am Unterwasserobservatorium aus. Hier gelangten wir zehn Meter unter die Oberfläche und konnten über die großen Fenster die Fische, Muscheln und Korallen beobachten. Zurück im Ort war der Himmel mittlerweile eingetrübt, die Aussicht schlechter und uns war kalt. Nach einer heißen Suppe im Café fuhren wir den Highway wieder in Richtung Te Anau. Wir hielten noch an ein paar kurzen Wegen und erreichten Te Anau am zeitigen Abend. Hier gingen wir durch das Wildlife Centre, ein vom DOC angelegter „Zoo“ der einheimische Vögel wie den Pukeko, Takahe und Kaka zeigt. In Manapouri kochten wir am See unser Abendessen. Auf dem SH95 in Richtung Süden bogen wir zum Lake Monowai ab. Hier gingen wir noch durch den Wald zu einem Aussichtspunkt, wo wir die absolute Stille genossen. Das war unsere letzte Nacht im Fjordland.

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Ein Gedanke zu “Vom schrillen Queenstown ins ruhige Fjordland

  1. Jeder Bericht liest sich fantastischer und die Lust auch auf Euren Spuren zu wandeln steigert sich von Mal zu Mal. Die Bilder dazu zeigen unvergleichliche Panoramen und es scheint der Wettergott die meiste Zeit auf Eurer Seite zu sein.
    Herzliche Grüße Marina

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