Die West Coast mit ihren vielen Gesichtern und Sandfliegen

Wir hatten für die nächsten Tage an der West Coast die Sonne auf unserer Seite und konnten die Vielfalt der rauen Küste mit allen Sinnen genießen. Die Städte hier sind besonders eintönig, was die Natur aber hundertprozentig ausgleicht. Lange Sandstrände, Klippen und Pfannkuchenfelsen an der Tasmansee, im Gegensatz dazu ruhige Bergseen und Regenwald in ein paar Kilometer Entfernung zur Küste und etwas südlich Gletscher. Danach Einsamkeit pur, bevor wir uns wieder ins Landesinnere wagten. Aber nun alles der Reihe nach.

Die Arthur’s Pass Road verließen wir durch die Otira Gorge, natürlich nach einigen Haltestopps mit kurzen Spazierwegen, wobei wir auch die neugierigen Keas genauer kennenlernten. Nach einer kurzen Lagebesprechung entschieden wir uns nicht direkt nach Greymouth zu fahren, sondern wählten den Umweg Richtung Norden um in Westport an die West Coast zu stoßen. So fuhren wir vorbei am Lake Brunner und dann durch das Grey Valley Richtung Norden. Die Landschaft begegnete uns unberührt und frei von den sonst unzähligen Mietcampern. Ein paar ehemalige Goldgräberorte versuchen Touristen anzulocken. In Blackball wirbt die Blackball Salami Company und der Ort versucht mit dem Hotel „Formerly The Blackball Hilton“ Aufsehen zu erregen. In Reefton, wo es Neuseelands erste elektrische Straßenbeleuchtung gab und heute eine landesweit berühmte Skaterbahn steht, versuchten wir vergeblich einen Kaffee zu bekommen. Etwas nördlich von hier bogen wir in das Tal der Buller Gorge ab, wo wir direkt am Fluss einen schönen Platz für die Nacht fanden. Leider wurde der ruhige Abend etwas durch die Sandfliegen getrübt und wir verbrachten ihn Großteils im Auto.
Am nächsten Tag fuhren wir früh direkt nach Westport, wo wir am Meer frühstücken konnten. Das Sightseeingpotenzial der Stadt hielt sich in Grenzen, aber wir hatten von der Mole schöne Ausblicke. Von hier aus etwas südlich ist das Cape Foulwind, vom Leuchtturm aus gingen wir einen schönen Küstenwanderweg zu einer Robbenkolonie. Danach fuhren wir an der rauen Tasmansee bis nach Punakaiti. Die Küste besteht an diesem Abschnitt aus Felsen und Buchten mit Sandstränden, auf der anderen Seite ist Regenwald. Der Kontrast war beeindruckend. Gegen Abend besuchten wir auf einem Rundweg die Pancake Rocks. Das Meer formte nicht nur diese Pfannkuchenfelsen, sondern spülte auch Löcher aus, aus denen bei Flut das Wasser spritzt (Blowholes). Nach einem zeitigen Abendessen, um den Sandfliegen zu entkommen, gingen wir den unscheinbaren Truman Track durch Regenwald. Über diesen Weg kamen wir zu einer einsamen Bucht am Meer. Das Meer drückte sich hier mit hohen, tosenden Wellen an den Strand – es war herrlich. Die Nacht verbrachten wir weiter südlich an einer geschützten Stelle direkt am Strand.
Die Sandfliegen schwirrten nach dem Aufwachen schon ums Auto, also verschoben wir das Frühstück und fuhren zunächst bis nach Greymouth. Hier konnten wir in Ruhe am Meer essen. Die Stadt machte ihrem Namen alle Ehre, wir fühlten uns nicht wohl und fuhren weiter nach Shantytown. Um auch ein bisschen von der Goldgräberzeit mitzubekommen, besuchten wir den „Shantytown Heritage Park“. Eine alte Goldgräberstadt wurde hier wieder aufgebaut, die neben liebenswerten Details leider auch schon einige Alterserscheinungen zeigte. Auf der Weiterfahrt kommen wir durch Kumara, wo sich die Straße einen Kreisverkehr mit der Eisenbahn teilt. Nach einem Stopp in Hokitika, fuhren wir am Abend noch weg von der Küste und fanden den schönen DOC-Campingplatz am Lake Kaniere. Hier konnten wir den Abend ausklingen lassen und nahmen sogar noch ein mutiges Bad im kalten See.
Am nächsten Vormittag erkundeten wir das „Hinterland“ von Hokitika. Das Highlight war ein Spaziergang in der Hokitika Gorge. Hier führt eine Hängebrücke über einen milchig blauen Fluss in einer Schlucht. Nach einer warmen Dusche machten wir am Nachmittag einen Stadtbummel durch Hokitika und versuchten vergeblich am Strand Greenstone zu finden. Hokitika ist ein netter Ort, wo es alljährlich ein etwas fragwürdiges Festival gibt: Das Hokitika Wildfood Festival, wo Spezialitäten wie Bullenpenis, marinierte Hammelhoden, Skorpion in Wodka, gegrillte Grillen, Possum in diversen Zubereitungen und dicke, fette, gelbe Larven des HuHu-Käfers auf den Tisch kommen. Am Lake Ianthe weiter südlich von Hokitika verbrachten wir den Abend auf dem Bootssteg und übernachteten hier.
Das Frühstück nahmen wir an der Okarito Lagoon zu uns, wo wir einen hier seltenen Silberreiher beobachten konnten. Anschließend fuhren wir bis zum Ort Franz Josef Glacier, wo wir im i-Site einen gewissen Flyer entdeckten. Den Nachmittag verbrachten wir kurz entschlossen damit, dass René sein Geburtstagsgeschenk einlöste, aber dazu später mehr. J Nach einem Kaffee im Ort fuhren wir zum DOC-Campingplatz am Lake Mapourika.
Da sich die Wolken über den Gletschern erst im Laufe des Tages bildeten, standen wir heute zeitig auf um den Franz Josef Glacier Valley Walk bis 150m vor die Gletscherzunge zu gehen. Im Tal waren viele Wasserfälle zu sehen, die Helikopter flogen schon die ersten Touristen über den Gletscher und wir waren erstaunt, wie stark sich das Eis in den vergangenen Jahren zurückgebildet hat. Eine Informationstafel machte uns auf den wohl einzigen Nachteil des Gletscherrückzuges aufmerksam – man müsse jetzt einfach weiter das Tal hinauf gehen! Nach einem Kaffee besuchten wir das West Coast Wildlife Centre in Franz Josef Glacier. Das Zentrum ist eine Aufzuchtstation für die seltenste Kiwi-Art, die Rowi-Kiwis. Sechs Wochen nach dem Schlüpfen werden die Kiwis in den künstlichen Wald gesetzt, wo man sie beobachten kann. Mit etwas Glück wird bald ein neugeborener Kiwi den Namen „Pepe“ tragen. J Anschließend fuhren wir nach Fox Glacier, wo wir zu dem zweiten bekannten Gletscher liefen. Hier konnten wir bis 200m an die Gletscherzunge heran, im Vergleich zum Franz Josef Gletscher fanden wir den Fox Gletscher viel beeindruckender. Nach einigen Übernachtungen an Seen, schliefen wir diese Nacht wieder am Strand auf einem kostenlosen, aber völlig überfüllten DOC-Campingplatz.
Auf dem Weg von Fox Glacier bis zur einsamen Jackson Bay schrubbten wir einige Kilometer. Die Fahrt lockerten wir durch ein paar Stopps auf. An der Bruce Bay trafen wir angeblich auf einen der Top 10 Strände Neuseelands. Ein wenig später warfen wir einen Blick in die Lachsfarm „South Westland Salmon“. Vom Knights Point aus hatten wir endlich wieder freie Sicht auf die Küste und das Meer, bevor wir am Ship Creek einen Spaziergang durch die Dünen und den Sumpf machten. Das nächste Highlight war kulinarischer Art – wir probierten ein Whitebait Pattie (kleine Fische zusammen mit Ei gebraten), eine Spezialität der Westküste. In Haast stärkten wir uns für die letzten Kilometer und zwei Spaziergänge auf dem Weg nach Jackson Bay. Am Ende der Sackgasse angekommen, erwartete uns der kleine verschlafene Ort Jackson Bay, in dem die Zeit stehen geblieben schien. Kurz vor Haast fanden wir einen romantischen Schlafplatz inmitten der Dünen direkt am langen Sandstrand – fast wie im Märchen, wenn nicht die unzähligen Sandfliegen gewesen wären. J
Mit Freude brachen wir am nächsten Morgen auf, um uns zielsicher von den Sandfliegen zu entfernen. Wir fuhren von Haast aus ins Landesinnere über den Haast Pass bis nach Makaroa. Die Passstraße verläuft nur über 563 Höhenmeter, hält aber am Straßenrand einige Juwelen bereit – meist in Form von Wasserfällen. Nach den Stopps an den Roaring Billy Falls, den Thunder Creek Falls und den Fantail Falls hielten wir an Davis Flat. Hier frühstückten wir endlich ganz entspannt – sandfliegenfrei – und machten anschließend einen Spaziergang zur Hängebrücke über den Fish River. Das letzte Highlight vor Makaroa sind die Blue Pools, über die zwei Hängebrücken führen. Wir waren hier schon wieder fast in der Zivilisation, was leicht an den Touristenströmen zu erkennen war. Nach Makaroa kamen wir in den Queenstown Lakes District, wo uns wieder eine völlig andere Landschaft erwartete.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die West Coast mit ihren vielen Gesichtern und Sandfliegen

  1. Der Bericht und die Bilder alles fantastisch! Wenn man da keine Lust bekommt – auch auf diesen Spuren zu wandeln. Liebe Grüße Marina und Michael

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s