Von der Westküste zur Ostküste und wieder zurück

Wie schon angekündigt hingen die Wolken am nächsten Morgen tief und das Wetter war entsprechend wechselhaft. Unsere geplante Wanderung auf einen am See angrenzenden Gipfel fiel somit ins Wasser. Ein kurzer Blick auf das Wetterradar sagte viel Regen voraus, an den Nelson Lakes sowie an der Westküste, die unser nächstes Ziel werden sollte. Wir verschoben die Reise an die Westküste nach hinten und suchten das schöne Wetter im Osten. Anders als auf Coromandel konnten wir hier unsere Route noch ändern.

Nach einem kurzen Frühstück am Lake Rotoiti im Auto fuhren wir zunächst den SH6 weiter Richtung Westen. Nach Murchison bogen wir auf den SH65 Richtung Süden ab. Hier hielten wir kurz an den Maruia Falls. Etwas weiter den Fluss aufwärts führte uns der SH65 zu einem kleinen, bezaubernden Café Reid´s Store. Dort aßen wir eine Kleinigkeit und tranken einen Kaffee. In Springs Junction trafen wir auf den SH7 dem wir nun auf der sogenannten Lewis Pass Road Richtung Osten folgten. Diese Passstraße stieg schnell bis auf eine Höhe von 907m an und fiel danach rasch wieder ab. Hinter dem Pass wurde das Wetter zusehends besser. Die Landschaft wechselte in ein schmales Tal, gesäumt von hohen unbewaldeten Gipfeln. Wir machten unzählige Fotostopps und genossen die Sonnenstrahlen die sich ihren Weg durch die Wolkendecke brachen. Nach 80km bogen wir mit dem SH7A von der Hauptroute zum Kurort Hanmer Springs ab. Im Ort machten wir eine kurze Runde zu Fuß und suchten uns einen Campingplatz. Nach ca. 200km genossen wir dort den schönen, sonnigen Abend auf dem ruhigen Platz.
Hanmer Springs ist berühmt für seine Thermalquellen und da wir schon mal da waren entschlossen wir uns diese zu besuchen. Es gab verschiedene Pools mit unterschiedlichen Temperaturen und Wasserzusammensetzungen. Hier verbrachten wir ein paar entspannte Stunden. Als es anfing leicht zu schauern packten wir unsere Sachen und fuhren zum Campingplatz zurück. Ganz nach neuseeländischer Art klarte es am Abend immer wieder auf und wir bekamen noch einen schönen Regenbogen zu sehen.
Frisch geduscht und Brunni nochmal vollgetankt fuhren wir am nächsten Morgen weiter nach Kaikoura an der Pazifikküste. Der SH7 führte uns nach Waiau. Hier kauften wir uns eine Motivationscola und verfuhren uns prompt. Etwas schlecht ausgeschildert und abgelenkt fuhren wir nämlich nun den direkten Weg zum SH1 und nicht die landschaftlich schönere Strecke parallel dazu. Als wir es bemerkten war es bereits zu spät. Der letzte Abschnitt vor Kaikoura entschädigte uns mit rauer Küste und hohen Wellen. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen bei einem Fischgrill fuhren wir gestärkt zum Startpunkt des Kaikoura Peninsula Walk. Der Weg führte uns oberhalb der Klippen um die Halbinsel herum. An vielen Aussichtspunkten konnte man die Stadt, das Meer und unzählige Robben beobachten. Der kostenlose Campingplatz lag nördlich von Kaikoura direkt am Meer. Einen Steinwurf von den sich brechenden Wellen entfernt aßen wir zu Abend und sahen anschließend dem Sonnenuntergang zu.
Um zehn Uhr am nächsten Morgen waren wir bei der Whaleway Station um für das Whale Watching einzuchecken. Es gibt in Kaikoura nur ein Unternehmen, das die Lizenz zur Walbeobachtung besitzt. Diese, von Maori gegründete und geleitete Firma, wurde in der Wirtschaftskrise der 1980er Jahre geboren und ist heute ein wichtiger Wirtschaftszweig für viele Familien der ansässigen Maoristämme. Mit einem Bus wurden wir zum Yachthafen der South Bay gefahren. Die Warnungen vor Seekrankheit haben wir bis dahin leichtfertig belächelt. Mit einer Jetfähre ging es mit 20 Knoten durch die doch recht raue See. Aufstehen war während der Fahrt untersagt. Die ersten Wellen wurden noch fröhlich bejubelt bis sich eine angespannte Stille bei den Passagieren einstellte als sie bemerkten, dass das heute keine Kaffeefahrt wird. Es dauerte gar nicht lang und der erste Wal wurde gesichtet. Das hieß: Maschinen stoppen, Türen auf und alle Mann an Deck, festhalten mit der einen Hand und fotografieren mit der anderen. Wir sahen einen Pottwal, der sich an der Oberfläche treiben ließ. Für ungefähr zehn Minuten war er da, bevor er uns die Fluke zeigte und abtauchte. Also alle wieder rein ins Schiff und hinsetzen. Der Kapitän zückte sein Unterwassermikrofon und entdeckte einen zweiten Pottwal etwas weiter. Es ging wieder über die Wellen und die ersten Spucktüten wurden gezückt. Tatsächlich fanden wir noch einen zweiten Pottwal. Also alle wieder raus. Dieser Wal schenkte uns 15 Minuten seiner Anwesenheit bevor er sich in die Tiefe verabschiedete. Das sollte es vorerst gewesen sein. Wir fuhren weiter bis zu einer bekannten Robbenkolonie. Auf dem Weg dorthin begegnete uns eine Gruppe Dusky Delfine, eine Art die nur auf der Südhalbkugel vorkommt. Das Schiff hielt und die Delfine schwammen und sprangen um uns herum. Die anschließenden Robbenfelsen waren da weniger spannend, zumal wir davon schon viele sehen und riechen konnten. Auf dem Rückweg zum Anleger machten wir noch einmal an der Position halt, an der der erste Pottwal abtauchte um ihn vielleicht wieder sehen zu können. Diesen Gefallen tat er uns nicht. Wir sahen dafür verschiedene Möwenarten und zwei Albatrosarten. Wieder zurück auf trockenem Boden waren wir froh es überstanden zu haben – ohne Nutzung einer Spucktüte. Diese riesigen Lebewesen zu sehen war sehr bewegend. Die Kamera glühte noch aus als wir mit dem Bus zurück zum Terminal gebracht wurden. Den restlichen Tag verbrachten wir bei mäßigem Wetter in der Stadt und fuhren abends zum Campingplatz zurück.
Überraschend wurden wir von der Sonne geweckt und fuhren nach dem Frühstück Richtung Süden. Kurz nach Kaikoura bogen wir auf die Inland Road ab, eben jene Straße die wir vorgestern verpasst hatten. Wir fuhren durch die tolle Landschaft und uns konnte nur ein Haus stoppen: Auf dem Weg nach Waiau wurden wir von der Straße gebeten. Es kam uns ein großer Sattelschlepper entgegen der ein ganzes Einfamilienhaus auf der Ladefläche hatte. Ohne Rücksicht auf Hecken und Bäume war er so schnell verschwunden wie er gekommen war. In Waiau gab es wieder eine Cola und ohne uns zu verfahren fuhren wir ins Waipara Valley. Hier pickten wir uns drei der zwanzig Weingüter heraus, bei denen wir zur Weinprobe einkehrten. In einem trafen wir eine deutsche Kellnerin die seit 25 Jahren in Neuseeland lebt. In Amberley, etwas weiter südlich, war es dann schon etwas spät. Wir aßen das bisher schlechteste Fish&Chips und das trockenste Sushi unserer bisherigen Reise und schliefen im örtlichen Campingplatz.
Der nächste Morgen startete zwar freundlich, aber kalt. Wir fuhren weiter auf dem SH1 Richtung Süden – direkt ins Zentrum von Christchurch. Hier machten wir einen Stadtrundgang. Die Straßen sind nach dem großen Erdbeben von 2011 wieder begeh- und befahrbar. Es gibt aber große Lücken in der Stadtbebauung und teils leblose neue Straßenzüge. Die alte Kathedrale wurde schwer beschädigt und ist noch immer umzäunt. Die neue Übergangskathedrale Cardboard Cathedral wurde aus Pappe gebaut. Beim Eintritt wurden wir nach unserer Herkunft gefragt und mit einem freundlichen „Guten Tag“ begrüßt. Uns wurde voller Stolz erklärt, dass alles von Firmen aus der Umgebung gebaut wurde, außer dem Dach – das ist aus Deutschland. Wir schlenderten durch die Re:Mall, einer Einkaufsstraße die kurz nach dem Beben aus Containern aufgebaut wurde. Diese Nacht und die drei folgenden verbrachten wir auf dem kostenlosen Campingplatz „Coes Ford“, etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt.
Der nächste Tag begann regnerisch. Wir nutzten die Zeit zum Shoppen in der riesigen Westfield Mall. Da Nationalfeiertag ist, waren wir nicht die einzigen mit der Idee, machten aber trotzdem ein paar Schnäppchen.
Tags darauf nutzten wir das gute Wetter für eine Rundfahrt auf der Banks Peninsula. Am Nordufer des Lake Ellesmere entlang fuhren wir nach Akaroa. Die französischen Wurzeln kann man nicht übersehen. Nach einem Rundgang durch das belebte Zentrum fuhren wir die Summit Route in Richtung Lyttleton. Nach einem kurzen Fotostopp an einer Steigung war die Straße nicht gut einzusehen. René gab Brunni die Sporen, doch mehr als 50 km/h waren einfach nicht drin. Ein Postbeamter (!) kam schnell von hinten, drängelte und überholte schließlich an einer unübersichtlichen Stelle. Zum Gruß zeigte er uns den Stinkefinger. Spätestens hier waren wir von der Freundlichkeit der Neuseeländer schwer enttäuscht. Wir bogen die Straße zur Pigeon Bay ab und folgten der unbefestigten Straße nach Port Levy. Sie war gerade breit genug für ein Auto. Auf einem besonders schmalen Teil der Strecke kamen uns natürlich gleich zwei Autos entgegen. Nach Port Levy wurde die Straße wieder besser. Es ging durch Purau über Diamond Harbour nach Lyttleton. Auch dieser Stadt sieht man die Spuren des Erdbebens noch an. Außer dem großen Hafen und den Narben im Straßenbild gab es nicht viel zu sehen. Durch den Tunnel fuhren wir wieder nach Christchurch. Wir kochten nach einem Spaziergang auf dem Pier am Stadtstrand in New Brighton das Abendessen und fuhren zurück nach Coes Ford.
Nach einem „Waschtag“ gingen wir am Montag in zwei Museen. Zuerst schlenderten wir durch das AirForce-Museum in dem einige Flugzeuge stehen und Ausstellungen über die Weltkriege und die Geschichte der Luftwaffe zu sehen sind. Nach einer Mittagspause fuhren wir ins Zentrum und besuchten das Canterbury Museum. Es gibt u.a. Räume zu den Maoris, dem ausgestorbenen Riesenvogel Moa, den Antarktisexpeditionen die von Christchurch starteten und über die Geologie der Gegend zu sehen. Nach einem Kaffee füllten wir die Vorräte auf und fuhren zum Campingplatz zurück.
Am folgenden Tag brachen wir in Richtung Westküste auf. Der Wetterbericht versprach ein paar schöne Tage auf der anderen Seite der Südinsel, die wir nutzen wollten. Über den SH73 verließen wir Christchurch. Die Arthurs Pass Road führt quer durch die Südinsel über die Alpen nach Greymouth. Bis Springfield ist die Straße noch recht flach, erst danach steigt sie stetig an und ohne es zu bemerken fuhren wir über den Porters Pass auf 942m Höhe. In Mitten von den 2000er Gipfeln der Südalpen hielten wir am Castle Hill Scenic Reserve. Hier spazierten wir durch die Kalksteingebilde, die wie auf die grünen Hügel gestreut scheinen. Auf dem Weg zum Tal des Waimakariki River kamen wir am Lake Pearson und am Lake Grassmere vorbei. Im Ort Arthurs Pass tranken wir einen Kaffee und gingen anschließend zum Devil´s Punchbowl Fall. Durch den Regen der letzten Tage war der 131m hohe Wasserfall besonders prächtig. Wir schliefen auf einem kostenlosen Campingplatz etwas südlich des Ortes. Schon hier bekamen wir einen Vorgeschmack auf die lästigen Sandfliegen, die uns auch an der Westküste begleiten werden.

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3 Gedanken zu “Von der Westküste zur Ostküste und wieder zurück

  1. Auf die Bilder können wir nur gespannt bleiben. Die Whale Watching tour liest sich ja fast wie ein Krimi 🙂 Oje – da muss man aufpassen – nicht selber seekrank zu werden. Ist halt gut – wenn man vorher nicht alles so genau weiß was passiert! GlG Marina und Michael

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