Vielfältige Küstenlandschaften im Norden der Südinsel

Unsere Fährüberfahrt von Wellington auf die Südinsel nach Picton durch die Cook Strait verlief ruhig – nichts zu spüren von einer der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Wir hatten bei der Ausfahrt von Wellington noch schöne „Rückblicke“ auf die Skyline der Stadt. Unter Deck konnten wir mit einem Kaffee noch die Restmüdigkeit verdrängen. Die letzten 90 Minuten der fast 4-stündigen Fahrt verbrachten wir auf den Außendecks und genossen die Fahrt in die Marlborough Sounds. Eine einzigartige Küstenlandschaft, die optisch Fjorden ähnelt. In Picton angekommen, machten wir einen kleinen Stadtrundgang und fuhren mit dem Auto zu einem Aussichtspunkt westlich des Ortes. Hier hatten wir einen schönen Überblick über den Queen Charlotte Sound, den Hafen und Picton. Anschließend führte unser Weg an die Ostküste, die aus steilen bewaldeten Hängen besteht. Über diese schlängelt sich die Straße und führt zwischendurch immer wieder zu kleinen Buchten mit Sandstrand. Wir fuhren an dem Tag bis zur Robin Hood Bay, in der wir für zwei Nächte auf einem kostenlosen DOC-Campingplatz blieben.
Nachdem wir die Ruhe in dieser Bucht genossen haben, fuhren wir in die nächstgrößere Stadt Blenheim. Auf den ersten Blick nur eine lebhafte Stadt, in der man alle Geschäfte vorfindet die man so braucht. Auf den zweiten Blick, im Vergleich zu anderen Orten, auch eine nette Stadt zum Bummeln und Verweilen. An diesem Abend fuhren wir noch durch Weinfelder der Region Marlborough bis nach Renwick, wo wir auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Parkplatz übernachteten.
Hier begann auch unsere Radtour am nächsten Tag. Wir liehen uns ein Tandem aus und erkundeten mit Hilfe der von hier erhaltenen Karte und Tipps die Weinfelder der Region Marlborough. Das Tandemfahren klappte erstaunlich gut für unser erstes Mal und war ein tolles Erlebnis. Bevor wir uns dem Wein näherten, verkosteten wir feinste Pralinen in der Chocolate Factory und Bier in der Moa-Brauerei. Dann ging die Weinverkostung in verschiedenen Weingütern los und die Fahrt wurde immer lustiger. Die von uns besuchten Weingüter waren: N° 1 Family Estate, Georges Michel, Huia und Giesen. Im Letzten ließen wir uns dann etwas länger nieder und genossen noch eine Brotzeit mit Käse, Wurst und Meeresfrüchten. Die darauffolgende Nacht schliefen wir sehr gut auf einem Parkplatz in Blenheim (ebenso von der Stadt zur Verfügung gestellt).
Den nächsten Tag verbrachten wir noch in Blenheim, hier gingen wir auf einen Bauernmarkt und in eine Schwimmhalle. Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Picton, wo wir an der Hafenpromenade spazieren gingen und die Nacht in der Nähe des Hafens verbrachten.
Ein Wassertaxi brachte uns am folgenden Tag auf dem Queen Charlotte Sound bis zu Ship Cove, wo schon James Cook auf jeder seiner Reisen anlegte. Wir gingen von hier einen Teil des mehrtägigen Queen Charlotte Tracks bis zur Furneaux Lodge. Der Abschnitt war 15km lang und recht leicht zu bewältigen. Auf dem Rückweg nach Picton fuhr das Wassertaxi verschiedene Buchten an. Hier leben Menschen in teils riesigen Häusern, die nur über den Seeweg versorgt werden können. Den Abend ließen wir an einem Platz südlich von Picton ausklingen, wo wir auch schliefen.
Brunni war am nächsten Morgen bei der Pediküre und bekam hier zwei neue Hinterreifen. Danach fuhren wir auf die Landzunge östlich von Picton und gingen den 2,5-stündigen Snout Track. Die Aussichten waren grandios, denn von hier aus hatte man den besseren Blick auf die schöneren Buchten im Queen Charlotte Sound. Nach einer heißen Dusche in der Marina, machten wir uns noch einen netten Abend im Ort.
Marlborough verließen wir am kommenden Tag und fuhren Richtung Nelson. Auf dem Weg dorthin hatten wir nochmals verschiedene Ausblicke auf die Marlborough Sounds, hielten in dem Fischerort Havelock und an der Pelorus Bridge. Bevor wir am Abend ins Zentrum von Nelson gefahren sind, machten wir noch einen Abstecher zur Cable Bay. In Nelson stellt die Stadt mehrere Parkplätze zum „Freedom Camping“ zur Verfügung. Etwas komisch war es schon, mitten im Geschäftszentrum auf einem Marktplatz zu kochen und zu schlafen.
In der Stadt mit der höchsten Lebensqualität, Nelson, machten wir einen Stadtrundgang. Nach einer erfolglosen Shoppingtour, besichtigten wir die 1932 geweihte Kathedrale, schlenderten durch den Queens Garden zum Botanischen Garten. Hier führte ein Spazierweg hinauf zum „geografischen Zentrum Neuseelands“, das sich Nelson ein wenig ins Stadtzentrum verlegt hat. Der Rundblick über Stadtzentrum, Küste und Maitai Valley entschädigte für den Aufstieg unter brütender Sonne. Auf dem Rückweg gingen wir am südlichsten Kauri-Baum des Landes vorbei, der 1951 gepflanzt wurde. Diesen Abend verbrachten wir auf einem anderen Parkplatz, der ein ähnliches Flair versprühte.
Die Stadt verließen wir weiter Richtung Westen, wo wir noch einen ausgiebigen Spaziergang am Stadtstrand Tahunanui Beach machten. Unser nächster Stopp war Rabbit Island, welche über eine Brücke durch ein Sumpfgebiet erreichbar ist. Diese Insel mit dichtem Pinienwald ist nur tagsüber befahrbar und dient als Naherholungsgebiet. Eis für uns Beide und einen neuen Hut für Doreen gab es im nächsten Ort Mapua. Anschließend führte uns der Reiseführer etwas ins Landesinnere zu einem Weingut mit deutschen Wurzeln (Himmelsfeld) und einem Weiteren (Neudorf), in der von Deutschen gegründeten Gemeinde Neudorf. Nach den Weinverkostungen fuhren wir auf den preiswerten Campingplatz McKee, wo wir die drei folgenden Nächte verbrachten.
Nach einem langsamen Start in den nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Motueka. Hier buchten wir in dem sehr kompetenten i-Site ein Wassertaxi für den Abel Tasman Coastal Track. Den Nachmittag verbrachten wir in Kaiteriteri, wo uns ein goldgelber Sandstrand erwartete (leider sehr überlaufen). Außerdem mündet hier ein Fluss ins Meer, der als Familienswimmingpool genutzt wurde, da das Wasser aus einer Art Lagune kommt und daher angenehm warm ist. Die Kinder sprangen oben in den Fluss und ließen sich von der Strömung bis ins Meer tragen. Wir fuhren die Serpentinenstraße weiter Richtung Marahau. Unterwegs machten wir zu Fuß einen Abstecher in eine einsame Bucht, wo im Meer der Split Apple Rock liegt. Nach einem kurzen Stopp in Marahau fuhren wir über den Highway zurück zu unserem Campingplatz.
Der nächste Tag war ein kleines Stück vom Paradies. Wir starteten mit dem Wassertaxi von Kaiteriteri und fuhren am Abel Tasman National Park entlang Richtung Norden. Allein diese Fahrt vorbei an zahlreichen Buchten mit goldgelben Sandstränden war atemberaubend. Wir starteten in der Awaroa Bay mit unserer Wanderung. Von hier aus gingen wir einen einfachen Weg durch einheimischen Urwald in die nächste Bucht Onetahuti. Hier zog sich der Weg am langen Sandstrand entlang, bevor er wieder im Wald verschwand. Nun folgte ein schwierigeres Stück Weg mit Steigungen, nach dem wir in der Bark Bay ankamen. Von unserem Ziel Medlands Beach machten wir noch einen Abstecher zur Hängebrücke über den Falls River. Das Wassertaxi brachte uns wieder nach Kaiteriteri, wo wir uns ein erfrischendes Bad im Meer nicht nehmen ließen.
Den Morgen danach verließen wir die Gegend über die kurvenreiche Takaka Hill Road, diese ist die einzige Straße zur Nordspitze der Südinsel. Sie führt fast bis auf 800m Höhe und lieferte uns viele schöne Ausblicke auf den Kahurangi National Park und über Motueka bis zur Tasman Bay. Das Ziel ist Takaka, der letzte große Ort auf dem Weg in den Norden mit einer auffällig hohen Hippie-Quote. Am Nachmittag besuchten wir den eigenwilligen Labyrinth Rocks Park. Ein natürlicher Irrgarten, den der Regen aus dem Karstgestein gewaschen hat. Die Felsbrocken sind stark bewachsen und irgendwelche Kindsköpfe haben im gesamten Park bunte Plastikfiguren verteilt. Noch weiter westlich statteten wir dem Abel Tasman Denkmal einen Besuch ab. Die Aussicht war sehr schön, das Denkmal dagegen recht einfallslos. Den Abschluss bildeten die Wainui Falls, die wir über einen kurzen Spaziergang erreichten. Die Nacht verbrachten wir auf einem halb offiziellen Campingplatz, der eigentlich nur für self-contained Fahrzeuge bestimmt ist. Da sich aber mindestens 20 Toyota Estimas bzw. Zelte für die Nacht eingerichtet hatten, blieben wir auch.
Die Nacht verlief ruhig und ohne Strafen, also fuhren wir vergnügt weiter Richtung Norden. Wir frühstückten in Parapara, wo wir bei dem anschließenden Strandspaziergang einen Seestern mit ca. 20cm Durchmesser entdeckten. Gegen Mittag kamen wir in Puponga am Beginn der Landzunge Farewell Spit an. Wir machten einen 12km langen Spaziergang über die Landzunge, von der nur die ersten 4km für die Öffentlichkeit frei zugänglich sind. So gingen wir zuerst am Inner Beach an der Golden Bay entlang und überquerten dann die Landzunge über riesige weiße Sanddünen. Auf der anderen Seite gingen wir am Ocean Beach an der Tasmansee bis zum Fossil Point. Von hier aus führte uns der Weg über grünes Farmland zurück zum Auto. René hatte echte Schwierigkeiten Doreen von diesem hübschen Fleckchen wieder mitnehmen zu können. Ein bisschen westlicher von hier besuchten wir anschließend den nördlichsten Punkt der Südinsel, Cape Farewell, der als riesiges Felsentor ins Meer ragt. Da die Aussicht und das schöne Wetter uns überwältigten, gingen wir von hier noch den Klippenwanderweg bis zum Pillar Point Lighthouse und wieder zurück. An diesem Abend verschafften wir uns noch eine Abkühlung in einer Lagune und fanden eine schöne geschützte Stelle zum Übernachten. Hier parkte außerdem eine deutsche Familie, mit der wir am Abend noch ein wenig zu lang zusammengesessen haben.
Am nächsten Morgen sammelten wir am Strand unser Abendessen. Es war gerade Ebbe und so konnten wir einige Sandmuscheln finden. Anschließend fuhren wir nochmal an die Nordspitze zum Parkplatz des Wharariki Beach. Von hier führte uns ein 20-minütiger Spazierweg über grüne Weiden und Dünen an einen der schönsten Sandstrände, die wir bisher gesehen haben. Wir suchten uns eine schöne Stelle zum Verweilen und badeten in den riesigen Wellen im kristallklaren Wasser. Zum Abschluss kehrten wir im Café in Puponga mit Blick auf Farewell Spit ein und ließen die vielen Eindrücke sacken. Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zum Whanganui Inlet, dieses Gebiet ist touristisch nicht erschlossen. Nach einem kurzen Stopp, wobei wir die Ruhe und Abgeschiedenheit genossen, kehrten wir auf den „Campingplatz“ in Takaka zurück. An diesem Abend kam sogar die Security vorbei – fuhr aber unirritiert weiter. Also ist das Campen scheinbar inoffiziell geduldet. Die Sandmuscheln schmeckten trotz des kurzen Schrecks sehr gut.
Bevor wir wieder zurück nach Motueka fuhren, machten wir noch einen Ausflug zu den Te Waikoropupu Spings, kurz Pupu Springs genannt. Dieser Quelle entspringen bis zu 21m³ Wasser/Sekunde, sie zählt damit zu den 100 wasserreichsten Quellen der Welt. Aus Achtung der kulturellen Bedeutung für die Maori ist jeder Kontakt mit dem Wasser untersagt. In Motueka angekommen füllten wir unsere Vorräte auf und übernachteten noch einmal auf dem alt bekannten Campingplatz.
Bei einem Stopp an der sehr zu empfehlenden europäischen Bäckerei versorgten wir uns mit RICHTIGEM Roggenmischbrot! Gut versorgt für die nächsten Tage verließen wir Motueka Richtung Nelson Lakes Nationalpark. Unser Ziel ist St. Arnaud am Lake Rotoiti. Als wir hier ankamen, hingen schon einige Wolken in den Bergen. Wir machten trotzdem einen Spaziergang entlang der Brunner Peninsula. Am Abend wurden wir von Heerscharen heimischer, beißender Sandmücken heimgesucht und verkrochen uns deshalb zeitig im Auto.
Am nächsten Tag regnete es leider, weswegen wir unsere Pläne mit einer Wanderung im Nationalpark und der Fahrt an die Westküste über den Haufen warfen. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag! 🙂

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2 Gedanken zu “Vielfältige Küstenlandschaften im Norden der Südinsel

  1. Stoff aus dem die Träume sind. Es ist wieder ein fantastischer und bewegender Blog-Eintrag. Die Bilder dazu – einfach nur famos. Nicht zu vergessen das schicke Bild von Doreen mit Hut 🙂 VLG Marina

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  2. Wieder tolle Bilder und ein sehr interessanter Bericht von Euren Erlebnissen. Das Lesen macht wie immer großen Spaß. Noch viele tolle Erlebnisse wünschen Euch Axel und Ramona

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