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Vom schrillen Queenstown ins ruhige Fjordland

Von der abwechslungsreichen Landschaft der West Coast mit rauer Küste, Regenwald, Seen und Bergen zogen wir uns nun in das Inland zurück. Nachdem wir uns um Wanaka und Queenstown an den Seen, umrahmt von Gipfeln die weit in die 2000er reichen, satt gesehen hatten, fuhren wir weiter in das Fjordland um den Milford Sound, ein Muss auf jeder Neuseelandreise, zu besuchen.

Von Makaroa führte uns der Highway an den Lake Wanaka. Der Blick haute uns fast um: Ein blauer, klarer See in Mitten von steilen Felswänden die in kahlen Gipfeln enden. Dieses Bild begleitete uns bis wir zum Lake Hawea abbogen. Der war für uns fast noch imposanter, größer und beeindruckender. Hier machten wir auf einem Campingplatz direkt am Ufer Rast und ließen die Eindrücke sacken. Nachdem wir in Wanaka einige Sachen erledigten, genossen wir diesen Abend und die folgenden auf einem Campingplatz direkt am Hawea River.
Der Morgen begann trüb – es war Regen angesagt. Wir frühstückten noch im Freien während schon einige Tropfen fielen. Zur Überbrückung des Wetters gingen wir in die Puzzling World, einem „Spielplatz“ mit allerlei optischen Täuschungen, einem geneigten Haus und einem riesigen Labyrinth. Nach drei Stunden hatten wir uns ausgetobt und stellten fest, dass die Wettervorhersage nicht zutraf – die Sonne schien. Wir disponierten kurz um und bestiegen den Mt Iron. Auf dem Gipfel wurden wir mit einem großartigen Rundumblick belohnt.
Der nächste Tag startete wieder bewölkt, also brauchten wir uns nicht zu beeilen. Nachdem sich die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke brach, fuhren wir zum Aspiring Nationalpark. Nach der obligatorischen Schotterstraße durften wir noch neun Furte durchqueren. Wegen des trockenen Wetters der letzten Tage keine große Sache – bei Regen wurde vor der Passage gewarnt. Brunni war tapfer und wir starteten bei schönstem Wetter ins Rob Roy Glacier Valley. Nach knapp anderthalb Stunden Wanderweg erreichten wir den oberen Aussichtspunkt. Wir waren geplättet: Ein riesiger Gletscher hängt förmlich am Felsen oberhalb einer steilen Wand an der sich unzählige Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Wir saßen hier sprachlos und beeindruckt eine Zeit lang einfach da.
Am folgenden Vormittag fuhren wir nach dem Frühstück über die Crown Range Road Richtung Queenstown. Die Straße führte uns hinauf zum 1076m hohen Pass und dann in steilen Serpentinen wieder hinab. Im Tal fuhren wir zunächst Richtung Osten an die Kawarau Bridge. Hier stürzen sich im Minutentakt die Menschen am Bungeeseil in die 43m tiefe Schlucht. Beim Zuschauen beschlossen wir, dass das nichts für uns ist. Wir fuhren die Straße weiter ins Gibbston Valley, wo wir uns hervorragenden Käse zum Mittag kauften und Wein verkosten konnten. Auf dem Weg zurück Richtung Westen hielten wir an einem weiteren Weingut, das gerade 25jähriges Jubiläum feierte. Hier gingen wir durch den Weinkeller und bekamen eine Probe direkt aus dem Fass. Unser nächster Halt war in Arrowtown. Das ehemalige Goldgräberstädtchen hat sich hübsch hergerichtet und wir bummelten hier durch die kleinen Läden. Nach einem Kaffee, serviert von einem slowakischen Kellner der in Deutschland studierte, fuhren wir weiter. Natürlich kamen wir die lauteste und vollste Straße nach Queenstown hinein. Wir wussten, dass hier viel los sein wird, aber dass es so voll und laut ist, hatten wir nicht erwartet. Am Lake Wakatipu machten wir eine Pause um die Campingplatzfrage zu klären. Da taten sich die Schleusen auf und es regnete heftig. Da die Sonne schien, konnten wir nicht nur einen Regenbogen sehen der direkt im See endete, sondern auch noch einen Zweiten. Am Campingplatz 12 Mile Delta, zehn Kilometer am See entlang, fanden wir unseren Schlafplatz für zwei Nächte.
Von der Sonne wachgeküsst, fuhren wir am Ufer des Lake Wakatipu entlang Richtung Norden bis nach Glenorchy. Die Kamera glühte als wir ankamen und am See spazieren gingen. Das Wetter war herrlich und der Ausblick auf die Berge und den 2816m hohen Mt Earnslaw ebenso. Zurück in Queenstown stellten wir uns für den obligatorischen Fergburger an. Nach kurzen 25 Minuten (Wartezeiten über einer Stunde sind hier keine Seltenheit) durften wir bestellen, nach weiteren 15 Minuten hielten wir unser Mittagessen in der Hand. Es ist vielleicht nicht der beste Burger der Welt, aber er ist verdammt nah dran. Nach einem Kaffee entschlossen wir uns zur finalen Selbstkasteiung den Queenstown Hill zu besteigen. Nach 45 Minuten für die 500 Höhenmeter bei bestem Wetter beruhigte nur die Aussicht über Lake Wakatipu, Queenstown und die Berge.
Zum Mittag des nächsten Tages erreichten wir den Shotover River. Hier machten wir eine, nein DIE Jetbootfahrt überhaupt. Prinz William und Gattin Kate fuhren diese Jetboottour 2014. Es ist der einzige Anbieter, der auf dem Shotover River fahren darf und der Einzige mit 360°-Drehungen. Nach einem halbstündigen Adrenalinschub ging es in die gemächlichere Brunni. Über Arrowtown fuhren wir nach Frankton um die Vorräte aufzufüllen und hielten später noch in Garston (nach eigenen Angaben der Ort in NZ, der am weitesten vom Meer entfernt ist). Wir bogen nach Te Anau ab und tankten dort voll um auf dem 120km langen Te Anau – Milford Highway nicht liegen zu bleiben. Ab hier gibt es keine Tankstelle mehr. Der letzte große Campingplatz an der Straße wird unser Startpunkt für den nächsten Morgen.
Etwas träge erwachten wir, bis wir am Himmel ein paar Lücken in den Wolken entdeckten – es wird aufziehen. Nach einer halben Stunde saßen wir im Auto und fuhren das letzte Drittel Weg bis zum Milford Sound. Die Aussichtspunkte lohnten sich wegen der noch tief hängenden Wolken nicht. Wir überquerten The Divide, wie die Wetterscheide der Alpen genannt wird, und passierten den 1,2km langen, in den blanken Fels gehauenen, einspurigen Homer-Tunnel. Danach wand sich die Straße in das Tal und nicht einmal 60 Minuten nach unserem Start waren wir am Ziel. Blauer Himmel und ein paar kleine Wölkchen hingen am Mitre Peak im Milford Sound. Ein Glück dieses Wetter zu haben, hier an einem der regenreichsten Orte Neuseelands. Wir waren glücklich und frühstückten erst einmal im Auto bevor die Sandfliegen uns frühstücken konnten. Anschließend gingen wir zwei kurze Wanderwege um uns danach am Fährterminal einzutreffen. Wir machten eine Schifffahrt auf dem Fjord. Ein Guide erklärte während der Fahrt die Naturphänomene. Wir sahen Robben und am Ende des Fjords vier Pinguine im Wasser die, ganz untypisch, während der Mauser jagten. Wir stiegen am Unterwasserobservatorium aus. Hier gelangten wir zehn Meter unter die Oberfläche und konnten über die großen Fenster die Fische, Muscheln und Korallen beobachten. Zurück im Ort war der Himmel mittlerweile eingetrübt, die Aussicht schlechter und uns war kalt. Nach einer heißen Suppe im Café fuhren wir den Highway wieder in Richtung Te Anau. Wir hielten noch an ein paar kurzen Wegen und erreichten Te Anau am zeitigen Abend. Hier gingen wir durch das Wildlife Centre, ein vom DOC angelegter „Zoo“ der einheimische Vögel wie den Pukeko, Takahe und Kaka zeigt. In Manapouri kochten wir am See unser Abendessen. Auf dem SH95 in Richtung Süden bogen wir zum Lake Monowai ab. Hier gingen wir noch durch den Wald zu einem Aussichtspunkt, wo wir die absolute Stille genossen. Das war unsere letzte Nacht im Fjordland.

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19000ft – Neuseeland’s Höchster

Hier konnte ich mein Geburtstagsgeschenk einlösen – vielen Dank dafür!
René

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Die West Coast mit ihren vielen Gesichtern und Sandfliegen

Wir hatten für die nächsten Tage an der West Coast die Sonne auf unserer Seite und konnten die Vielfalt der rauen Küste mit allen Sinnen genießen. Die Städte hier sind besonders eintönig, was die Natur aber hundertprozentig ausgleicht. Lange Sandstrände, Klippen und Pfannkuchenfelsen an der Tasmansee, im Gegensatz dazu ruhige Bergseen und Regenwald in ein paar Kilometer Entfernung zur Küste und etwas südlich Gletscher. Danach Einsamkeit pur, bevor wir uns wieder ins Landesinnere wagten. Aber nun alles der Reihe nach.

Die Arthur’s Pass Road verließen wir durch die Otira Gorge, natürlich nach einigen Haltestopps mit kurzen Spazierwegen, wobei wir auch die neugierigen Keas genauer kennenlernten. Nach einer kurzen Lagebesprechung entschieden wir uns nicht direkt nach Greymouth zu fahren, sondern wählten den Umweg Richtung Norden um in Westport an die West Coast zu stoßen. So fuhren wir vorbei am Lake Brunner und dann durch das Grey Valley Richtung Norden. Die Landschaft begegnete uns unberührt und frei von den sonst unzähligen Mietcampern. Ein paar ehemalige Goldgräberorte versuchen Touristen anzulocken. In Blackball wirbt die Blackball Salami Company und der Ort versucht mit dem Hotel „Formerly The Blackball Hilton“ Aufsehen zu erregen. In Reefton, wo es Neuseelands erste elektrische Straßenbeleuchtung gab und heute eine landesweit berühmte Skaterbahn steht, versuchten wir vergeblich einen Kaffee zu bekommen. Etwas nördlich von hier bogen wir in das Tal der Buller Gorge ab, wo wir direkt am Fluss einen schönen Platz für die Nacht fanden. Leider wurde der ruhige Abend etwas durch die Sandfliegen getrübt und wir verbrachten ihn Großteils im Auto.
Am nächsten Tag fuhren wir früh direkt nach Westport, wo wir am Meer frühstücken konnten. Das Sightseeingpotenzial der Stadt hielt sich in Grenzen, aber wir hatten von der Mole schöne Ausblicke. Von hier aus etwas südlich ist das Cape Foulwind, vom Leuchtturm aus gingen wir einen schönen Küstenwanderweg zu einer Robbenkolonie. Danach fuhren wir an der rauen Tasmansee bis nach Punakaiti. Die Küste besteht an diesem Abschnitt aus Felsen und Buchten mit Sandstränden, auf der anderen Seite ist Regenwald. Der Kontrast war beeindruckend. Gegen Abend besuchten wir auf einem Rundweg die Pancake Rocks. Das Meer formte nicht nur diese Pfannkuchenfelsen, sondern spülte auch Löcher aus, aus denen bei Flut das Wasser spritzt (Blowholes). Nach einem zeitigen Abendessen, um den Sandfliegen zu entkommen, gingen wir den unscheinbaren Truman Track durch Regenwald. Über diesen Weg kamen wir zu einer einsamen Bucht am Meer. Das Meer drückte sich hier mit hohen, tosenden Wellen an den Strand – es war herrlich. Die Nacht verbrachten wir weiter südlich an einer geschützten Stelle direkt am Strand.
Die Sandfliegen schwirrten nach dem Aufwachen schon ums Auto, also verschoben wir das Frühstück und fuhren zunächst bis nach Greymouth. Hier konnten wir in Ruhe am Meer essen. Die Stadt machte ihrem Namen alle Ehre, wir fühlten uns nicht wohl und fuhren weiter nach Shantytown. Um auch ein bisschen von der Goldgräberzeit mitzubekommen, besuchten wir den „Shantytown Heritage Park“. Eine alte Goldgräberstadt wurde hier wieder aufgebaut, die neben liebenswerten Details leider auch schon einige Alterserscheinungen zeigte. Auf der Weiterfahrt kommen wir durch Kumara, wo sich die Straße einen Kreisverkehr mit der Eisenbahn teilt. Nach einem Stopp in Hokitika, fuhren wir am Abend noch weg von der Küste und fanden den schönen DOC-Campingplatz am Lake Kaniere. Hier konnten wir den Abend ausklingen lassen und nahmen sogar noch ein mutiges Bad im kalten See.
Am nächsten Vormittag erkundeten wir das „Hinterland“ von Hokitika. Das Highlight war ein Spaziergang in der Hokitika Gorge. Hier führt eine Hängebrücke über einen milchig blauen Fluss in einer Schlucht. Nach einer warmen Dusche machten wir am Nachmittag einen Stadtbummel durch Hokitika und versuchten vergeblich am Strand Greenstone zu finden. Hokitika ist ein netter Ort, wo es alljährlich ein etwas fragwürdiges Festival gibt: Das Hokitika Wildfood Festival, wo Spezialitäten wie Bullenpenis, marinierte Hammelhoden, Skorpion in Wodka, gegrillte Grillen, Possum in diversen Zubereitungen und dicke, fette, gelbe Larven des HuHu-Käfers auf den Tisch kommen. Am Lake Ianthe weiter südlich von Hokitika verbrachten wir den Abend auf dem Bootssteg und übernachteten hier.
Das Frühstück nahmen wir an der Okarito Lagoon zu uns, wo wir einen hier seltenen Silberreiher beobachten konnten. Anschließend fuhren wir bis zum Ort Franz Josef Glacier, wo wir im i-Site einen gewissen Flyer entdeckten. Den Nachmittag verbrachten wir kurz entschlossen damit, dass René sein Geburtstagsgeschenk einlöste, aber dazu später mehr. J Nach einem Kaffee im Ort fuhren wir zum DOC-Campingplatz am Lake Mapourika.
Da sich die Wolken über den Gletschern erst im Laufe des Tages bildeten, standen wir heute zeitig auf um den Franz Josef Glacier Valley Walk bis 150m vor die Gletscherzunge zu gehen. Im Tal waren viele Wasserfälle zu sehen, die Helikopter flogen schon die ersten Touristen über den Gletscher und wir waren erstaunt, wie stark sich das Eis in den vergangenen Jahren zurückgebildet hat. Eine Informationstafel machte uns auf den wohl einzigen Nachteil des Gletscherrückzuges aufmerksam – man müsse jetzt einfach weiter das Tal hinauf gehen! Nach einem Kaffee besuchten wir das West Coast Wildlife Centre in Franz Josef Glacier. Das Zentrum ist eine Aufzuchtstation für die seltenste Kiwi-Art, die Rowi-Kiwis. Sechs Wochen nach dem Schlüpfen werden die Kiwis in den künstlichen Wald gesetzt, wo man sie beobachten kann. Mit etwas Glück wird bald ein neugeborener Kiwi den Namen „Pepe“ tragen. J Anschließend fuhren wir nach Fox Glacier, wo wir zu dem zweiten bekannten Gletscher liefen. Hier konnten wir bis 200m an die Gletscherzunge heran, im Vergleich zum Franz Josef Gletscher fanden wir den Fox Gletscher viel beeindruckender. Nach einigen Übernachtungen an Seen, schliefen wir diese Nacht wieder am Strand auf einem kostenlosen, aber völlig überfüllten DOC-Campingplatz.
Auf dem Weg von Fox Glacier bis zur einsamen Jackson Bay schrubbten wir einige Kilometer. Die Fahrt lockerten wir durch ein paar Stopps auf. An der Bruce Bay trafen wir angeblich auf einen der Top 10 Strände Neuseelands. Ein wenig später warfen wir einen Blick in die Lachsfarm „South Westland Salmon“. Vom Knights Point aus hatten wir endlich wieder freie Sicht auf die Küste und das Meer, bevor wir am Ship Creek einen Spaziergang durch die Dünen und den Sumpf machten. Das nächste Highlight war kulinarischer Art – wir probierten ein Whitebait Pattie (kleine Fische zusammen mit Ei gebraten), eine Spezialität der Westküste. In Haast stärkten wir uns für die letzten Kilometer und zwei Spaziergänge auf dem Weg nach Jackson Bay. Am Ende der Sackgasse angekommen, erwartete uns der kleine verschlafene Ort Jackson Bay, in dem die Zeit stehen geblieben schien. Kurz vor Haast fanden wir einen romantischen Schlafplatz inmitten der Dünen direkt am langen Sandstrand – fast wie im Märchen, wenn nicht die unzähligen Sandfliegen gewesen wären. J
Mit Freude brachen wir am nächsten Morgen auf, um uns zielsicher von den Sandfliegen zu entfernen. Wir fuhren von Haast aus ins Landesinnere über den Haast Pass bis nach Makaroa. Die Passstraße verläuft nur über 563 Höhenmeter, hält aber am Straßenrand einige Juwelen bereit – meist in Form von Wasserfällen. Nach den Stopps an den Roaring Billy Falls, den Thunder Creek Falls und den Fantail Falls hielten wir an Davis Flat. Hier frühstückten wir endlich ganz entspannt – sandfliegenfrei – und machten anschließend einen Spaziergang zur Hängebrücke über den Fish River. Das letzte Highlight vor Makaroa sind die Blue Pools, über die zwei Hängebrücken führen. Wir waren hier schon wieder fast in der Zivilisation, was leicht an den Touristenströmen zu erkennen war. Nach Makaroa kamen wir in den Queenstown Lakes District, wo uns wieder eine völlig andere Landschaft erwartete.

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Von der Westküste zur Ostküste und wieder zurück

Wie schon angekündigt hingen die Wolken am nächsten Morgen tief und das Wetter war entsprechend wechselhaft. Unsere geplante Wanderung auf einen am See angrenzenden Gipfel fiel somit ins Wasser. Ein kurzer Blick auf das Wetterradar sagte viel Regen voraus, an den Nelson Lakes sowie an der Westküste, die unser nächstes Ziel werden sollte. Wir verschoben die Reise an die Westküste nach hinten und suchten das schöne Wetter im Osten. Anders als auf Coromandel konnten wir hier unsere Route noch ändern.

Nach einem kurzen Frühstück am Lake Rotoiti im Auto fuhren wir zunächst den SH6 weiter Richtung Westen. Nach Murchison bogen wir auf den SH65 Richtung Süden ab. Hier hielten wir kurz an den Maruia Falls. Etwas weiter den Fluss aufwärts führte uns der SH65 zu einem kleinen, bezaubernden Café Reid´s Store. Dort aßen wir eine Kleinigkeit und tranken einen Kaffee. In Springs Junction trafen wir auf den SH7 dem wir nun auf der sogenannten Lewis Pass Road Richtung Osten folgten. Diese Passstraße stieg schnell bis auf eine Höhe von 907m an und fiel danach rasch wieder ab. Hinter dem Pass wurde das Wetter zusehends besser. Die Landschaft wechselte in ein schmales Tal, gesäumt von hohen unbewaldeten Gipfeln. Wir machten unzählige Fotostopps und genossen die Sonnenstrahlen die sich ihren Weg durch die Wolkendecke brachen. Nach 80km bogen wir mit dem SH7A von der Hauptroute zum Kurort Hanmer Springs ab. Im Ort machten wir eine kurze Runde zu Fuß und suchten uns einen Campingplatz. Nach ca. 200km genossen wir dort den schönen, sonnigen Abend auf dem ruhigen Platz.
Hanmer Springs ist berühmt für seine Thermalquellen und da wir schon mal da waren entschlossen wir uns diese zu besuchen. Es gab verschiedene Pools mit unterschiedlichen Temperaturen und Wasserzusammensetzungen. Hier verbrachten wir ein paar entspannte Stunden. Als es anfing leicht zu schauern packten wir unsere Sachen und fuhren zum Campingplatz zurück. Ganz nach neuseeländischer Art klarte es am Abend immer wieder auf und wir bekamen noch einen schönen Regenbogen zu sehen.
Frisch geduscht und Brunni nochmal vollgetankt fuhren wir am nächsten Morgen weiter nach Kaikoura an der Pazifikküste. Der SH7 führte uns nach Waiau. Hier kauften wir uns eine Motivationscola und verfuhren uns prompt. Etwas schlecht ausgeschildert und abgelenkt fuhren wir nämlich nun den direkten Weg zum SH1 und nicht die landschaftlich schönere Strecke parallel dazu. Als wir es bemerkten war es bereits zu spät. Der letzte Abschnitt vor Kaikoura entschädigte uns mit rauer Küste und hohen Wellen. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen bei einem Fischgrill fuhren wir gestärkt zum Startpunkt des Kaikoura Peninsula Walk. Der Weg führte uns oberhalb der Klippen um die Halbinsel herum. An vielen Aussichtspunkten konnte man die Stadt, das Meer und unzählige Robben beobachten. Der kostenlose Campingplatz lag nördlich von Kaikoura direkt am Meer. Einen Steinwurf von den sich brechenden Wellen entfernt aßen wir zu Abend und sahen anschließend dem Sonnenuntergang zu.
Um zehn Uhr am nächsten Morgen waren wir bei der Whaleway Station um für das Whale Watching einzuchecken. Es gibt in Kaikoura nur ein Unternehmen, das die Lizenz zur Walbeobachtung besitzt. Diese, von Maori gegründete und geleitete Firma, wurde in der Wirtschaftskrise der 1980er Jahre geboren und ist heute ein wichtiger Wirtschaftszweig für viele Familien der ansässigen Maoristämme. Mit einem Bus wurden wir zum Yachthafen der South Bay gefahren. Die Warnungen vor Seekrankheit haben wir bis dahin leichtfertig belächelt. Mit einer Jetfähre ging es mit 20 Knoten durch die doch recht raue See. Aufstehen war während der Fahrt untersagt. Die ersten Wellen wurden noch fröhlich bejubelt bis sich eine angespannte Stille bei den Passagieren einstellte als sie bemerkten, dass das heute keine Kaffeefahrt wird. Es dauerte gar nicht lang und der erste Wal wurde gesichtet. Das hieß: Maschinen stoppen, Türen auf und alle Mann an Deck, festhalten mit der einen Hand und fotografieren mit der anderen. Wir sahen einen Pottwal, der sich an der Oberfläche treiben ließ. Für ungefähr zehn Minuten war er da, bevor er uns die Fluke zeigte und abtauchte. Also alle wieder rein ins Schiff und hinsetzen. Der Kapitän zückte sein Unterwassermikrofon und entdeckte einen zweiten Pottwal etwas weiter. Es ging wieder über die Wellen und die ersten Spucktüten wurden gezückt. Tatsächlich fanden wir noch einen zweiten Pottwal. Also alle wieder raus. Dieser Wal schenkte uns 15 Minuten seiner Anwesenheit bevor er sich in die Tiefe verabschiedete. Das sollte es vorerst gewesen sein. Wir fuhren weiter bis zu einer bekannten Robbenkolonie. Auf dem Weg dorthin begegnete uns eine Gruppe Dusky Delfine, eine Art die nur auf der Südhalbkugel vorkommt. Das Schiff hielt und die Delfine schwammen und sprangen um uns herum. Die anschließenden Robbenfelsen waren da weniger spannend, zumal wir davon schon viele sehen und riechen konnten. Auf dem Rückweg zum Anleger machten wir noch einmal an der Position halt, an der der erste Pottwal abtauchte um ihn vielleicht wieder sehen zu können. Diesen Gefallen tat er uns nicht. Wir sahen dafür verschiedene Möwenarten und zwei Albatrosarten. Wieder zurück auf trockenem Boden waren wir froh es überstanden zu haben – ohne Nutzung einer Spucktüte. Diese riesigen Lebewesen zu sehen war sehr bewegend. Die Kamera glühte noch aus als wir mit dem Bus zurück zum Terminal gebracht wurden. Den restlichen Tag verbrachten wir bei mäßigem Wetter in der Stadt und fuhren abends zum Campingplatz zurück.
Überraschend wurden wir von der Sonne geweckt und fuhren nach dem Frühstück Richtung Süden. Kurz nach Kaikoura bogen wir auf die Inland Road ab, eben jene Straße die wir vorgestern verpasst hatten. Wir fuhren durch die tolle Landschaft und uns konnte nur ein Haus stoppen: Auf dem Weg nach Waiau wurden wir von der Straße gebeten. Es kam uns ein großer Sattelschlepper entgegen der ein ganzes Einfamilienhaus auf der Ladefläche hatte. Ohne Rücksicht auf Hecken und Bäume war er so schnell verschwunden wie er gekommen war. In Waiau gab es wieder eine Cola und ohne uns zu verfahren fuhren wir ins Waipara Valley. Hier pickten wir uns drei der zwanzig Weingüter heraus, bei denen wir zur Weinprobe einkehrten. In einem trafen wir eine deutsche Kellnerin die seit 25 Jahren in Neuseeland lebt. In Amberley, etwas weiter südlich, war es dann schon etwas spät. Wir aßen das bisher schlechteste Fish&Chips und das trockenste Sushi unserer bisherigen Reise und schliefen im örtlichen Campingplatz.
Der nächste Morgen startete zwar freundlich, aber kalt. Wir fuhren weiter auf dem SH1 Richtung Süden – direkt ins Zentrum von Christchurch. Hier machten wir einen Stadtrundgang. Die Straßen sind nach dem großen Erdbeben von 2011 wieder begeh- und befahrbar. Es gibt aber große Lücken in der Stadtbebauung und teils leblose neue Straßenzüge. Die alte Kathedrale wurde schwer beschädigt und ist noch immer umzäunt. Die neue Übergangskathedrale Cardboard Cathedral wurde aus Pappe gebaut. Beim Eintritt wurden wir nach unserer Herkunft gefragt und mit einem freundlichen „Guten Tag“ begrüßt. Uns wurde voller Stolz erklärt, dass alles von Firmen aus der Umgebung gebaut wurde, außer dem Dach – das ist aus Deutschland. Wir schlenderten durch die Re:Mall, einer Einkaufsstraße die kurz nach dem Beben aus Containern aufgebaut wurde. Diese Nacht und die drei folgenden verbrachten wir auf dem kostenlosen Campingplatz „Coes Ford“, etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt.
Der nächste Tag begann regnerisch. Wir nutzten die Zeit zum Shoppen in der riesigen Westfield Mall. Da Nationalfeiertag ist, waren wir nicht die einzigen mit der Idee, machten aber trotzdem ein paar Schnäppchen.
Tags darauf nutzten wir das gute Wetter für eine Rundfahrt auf der Banks Peninsula. Am Nordufer des Lake Ellesmere entlang fuhren wir nach Akaroa. Die französischen Wurzeln kann man nicht übersehen. Nach einem Rundgang durch das belebte Zentrum fuhren wir die Summit Route in Richtung Lyttleton. Nach einem kurzen Fotostopp an einer Steigung war die Straße nicht gut einzusehen. René gab Brunni die Sporen, doch mehr als 50 km/h waren einfach nicht drin. Ein Postbeamter (!) kam schnell von hinten, drängelte und überholte schließlich an einer unübersichtlichen Stelle. Zum Gruß zeigte er uns den Stinkefinger. Spätestens hier waren wir von der Freundlichkeit der Neuseeländer schwer enttäuscht. Wir bogen die Straße zur Pigeon Bay ab und folgten der unbefestigten Straße nach Port Levy. Sie war gerade breit genug für ein Auto. Auf einem besonders schmalen Teil der Strecke kamen uns natürlich gleich zwei Autos entgegen. Nach Port Levy wurde die Straße wieder besser. Es ging durch Purau über Diamond Harbour nach Lyttleton. Auch dieser Stadt sieht man die Spuren des Erdbebens noch an. Außer dem großen Hafen und den Narben im Straßenbild gab es nicht viel zu sehen. Durch den Tunnel fuhren wir wieder nach Christchurch. Wir kochten nach einem Spaziergang auf dem Pier am Stadtstrand in New Brighton das Abendessen und fuhren zurück nach Coes Ford.
Nach einem „Waschtag“ gingen wir am Montag in zwei Museen. Zuerst schlenderten wir durch das AirForce-Museum in dem einige Flugzeuge stehen und Ausstellungen über die Weltkriege und die Geschichte der Luftwaffe zu sehen sind. Nach einer Mittagspause fuhren wir ins Zentrum und besuchten das Canterbury Museum. Es gibt u.a. Räume zu den Maoris, dem ausgestorbenen Riesenvogel Moa, den Antarktisexpeditionen die von Christchurch starteten und über die Geologie der Gegend zu sehen. Nach einem Kaffee füllten wir die Vorräte auf und fuhren zum Campingplatz zurück.
Am folgenden Tag brachen wir in Richtung Westküste auf. Der Wetterbericht versprach ein paar schöne Tage auf der anderen Seite der Südinsel, die wir nutzen wollten. Über den SH73 verließen wir Christchurch. Die Arthurs Pass Road führt quer durch die Südinsel über die Alpen nach Greymouth. Bis Springfield ist die Straße noch recht flach, erst danach steigt sie stetig an und ohne es zu bemerken fuhren wir über den Porters Pass auf 942m Höhe. In Mitten von den 2000er Gipfeln der Südalpen hielten wir am Castle Hill Scenic Reserve. Hier spazierten wir durch die Kalksteingebilde, die wie auf die grünen Hügel gestreut scheinen. Auf dem Weg zum Tal des Waimakariki River kamen wir am Lake Pearson und am Lake Grassmere vorbei. Im Ort Arthurs Pass tranken wir einen Kaffee und gingen anschließend zum Devil´s Punchbowl Fall. Durch den Regen der letzten Tage war der 131m hohe Wasserfall besonders prächtig. Wir schliefen auf einem kostenlosen Campingplatz etwas südlich des Ortes. Schon hier bekamen wir einen Vorgeschmack auf die lästigen Sandfliegen, die uns auch an der Westküste begleiten werden.

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Vielfältige Küstenlandschaften im Norden der Südinsel

Unsere Fährüberfahrt von Wellington auf die Südinsel nach Picton durch die Cook Strait verlief ruhig – nichts zu spüren von einer der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Wir hatten bei der Ausfahrt von Wellington noch schöne „Rückblicke“ auf die Skyline der Stadt. Unter Deck konnten wir mit einem Kaffee noch die Restmüdigkeit verdrängen. Die letzten 90 Minuten der fast 4-stündigen Fahrt verbrachten wir auf den Außendecks und genossen die Fahrt in die Marlborough Sounds. Eine einzigartige Küstenlandschaft, die optisch Fjorden ähnelt. In Picton angekommen, machten wir einen kleinen Stadtrundgang und fuhren mit dem Auto zu einem Aussichtspunkt westlich des Ortes. Hier hatten wir einen schönen Überblick über den Queen Charlotte Sound, den Hafen und Picton. Anschließend führte unser Weg an die Ostküste, die aus steilen bewaldeten Hängen besteht. Über diese schlängelt sich die Straße und führt zwischendurch immer wieder zu kleinen Buchten mit Sandstrand. Wir fuhren an dem Tag bis zur Robin Hood Bay, in der wir für zwei Nächte auf einem kostenlosen DOC-Campingplatz blieben.
Nachdem wir die Ruhe in dieser Bucht genossen haben, fuhren wir in die nächstgrößere Stadt Blenheim. Auf den ersten Blick nur eine lebhafte Stadt, in der man alle Geschäfte vorfindet die man so braucht. Auf den zweiten Blick, im Vergleich zu anderen Orten, auch eine nette Stadt zum Bummeln und Verweilen. An diesem Abend fuhren wir noch durch Weinfelder der Region Marlborough bis nach Renwick, wo wir auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Parkplatz übernachteten.
Hier begann auch unsere Radtour am nächsten Tag. Wir liehen uns ein Tandem aus und erkundeten mit Hilfe der von hier erhaltenen Karte und Tipps die Weinfelder der Region Marlborough. Das Tandemfahren klappte erstaunlich gut für unser erstes Mal und war ein tolles Erlebnis. Bevor wir uns dem Wein näherten, verkosteten wir feinste Pralinen in der Chocolate Factory und Bier in der Moa-Brauerei. Dann ging die Weinverkostung in verschiedenen Weingütern los und die Fahrt wurde immer lustiger. Die von uns besuchten Weingüter waren: N° 1 Family Estate, Georges Michel, Huia und Giesen. Im Letzten ließen wir uns dann etwas länger nieder und genossen noch eine Brotzeit mit Käse, Wurst und Meeresfrüchten. Die darauffolgende Nacht schliefen wir sehr gut auf einem Parkplatz in Blenheim (ebenso von der Stadt zur Verfügung gestellt).
Den nächsten Tag verbrachten wir noch in Blenheim, hier gingen wir auf einen Bauernmarkt und in eine Schwimmhalle. Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Picton, wo wir an der Hafenpromenade spazieren gingen und die Nacht in der Nähe des Hafens verbrachten.
Ein Wassertaxi brachte uns am folgenden Tag auf dem Queen Charlotte Sound bis zu Ship Cove, wo schon James Cook auf jeder seiner Reisen anlegte. Wir gingen von hier einen Teil des mehrtägigen Queen Charlotte Tracks bis zur Furneaux Lodge. Der Abschnitt war 15km lang und recht leicht zu bewältigen. Auf dem Rückweg nach Picton fuhr das Wassertaxi verschiedene Buchten an. Hier leben Menschen in teils riesigen Häusern, die nur über den Seeweg versorgt werden können. Den Abend ließen wir an einem Platz südlich von Picton ausklingen, wo wir auch schliefen.
Brunni war am nächsten Morgen bei der Pediküre und bekam hier zwei neue Hinterreifen. Danach fuhren wir auf die Landzunge östlich von Picton und gingen den 2,5-stündigen Snout Track. Die Aussichten waren grandios, denn von hier aus hatte man den besseren Blick auf die schöneren Buchten im Queen Charlotte Sound. Nach einer heißen Dusche in der Marina, machten wir uns noch einen netten Abend im Ort.
Marlborough verließen wir am kommenden Tag und fuhren Richtung Nelson. Auf dem Weg dorthin hatten wir nochmals verschiedene Ausblicke auf die Marlborough Sounds, hielten in dem Fischerort Havelock und an der Pelorus Bridge. Bevor wir am Abend ins Zentrum von Nelson gefahren sind, machten wir noch einen Abstecher zur Cable Bay. In Nelson stellt die Stadt mehrere Parkplätze zum „Freedom Camping“ zur Verfügung. Etwas komisch war es schon, mitten im Geschäftszentrum auf einem Marktplatz zu kochen und zu schlafen.
In der Stadt mit der höchsten Lebensqualität, Nelson, machten wir einen Stadtrundgang. Nach einer erfolglosen Shoppingtour, besichtigten wir die 1932 geweihte Kathedrale, schlenderten durch den Queens Garden zum Botanischen Garten. Hier führte ein Spazierweg hinauf zum „geografischen Zentrum Neuseelands“, das sich Nelson ein wenig ins Stadtzentrum verlegt hat. Der Rundblick über Stadtzentrum, Küste und Maitai Valley entschädigte für den Aufstieg unter brütender Sonne. Auf dem Rückweg gingen wir am südlichsten Kauri-Baum des Landes vorbei, der 1951 gepflanzt wurde. Diesen Abend verbrachten wir auf einem anderen Parkplatz, der ein ähnliches Flair versprühte.
Die Stadt verließen wir weiter Richtung Westen, wo wir noch einen ausgiebigen Spaziergang am Stadtstrand Tahunanui Beach machten. Unser nächster Stopp war Rabbit Island, welche über eine Brücke durch ein Sumpfgebiet erreichbar ist. Diese Insel mit dichtem Pinienwald ist nur tagsüber befahrbar und dient als Naherholungsgebiet. Eis für uns Beide und einen neuen Hut für Doreen gab es im nächsten Ort Mapua. Anschließend führte uns der Reiseführer etwas ins Landesinnere zu einem Weingut mit deutschen Wurzeln (Himmelsfeld) und einem Weiteren (Neudorf), in der von Deutschen gegründeten Gemeinde Neudorf. Nach den Weinverkostungen fuhren wir auf den preiswerten Campingplatz McKee, wo wir die drei folgenden Nächte verbrachten.
Nach einem langsamen Start in den nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Motueka. Hier buchten wir in dem sehr kompetenten i-Site ein Wassertaxi für den Abel Tasman Coastal Track. Den Nachmittag verbrachten wir in Kaiteriteri, wo uns ein goldgelber Sandstrand erwartete (leider sehr überlaufen). Außerdem mündet hier ein Fluss ins Meer, der als Familienswimmingpool genutzt wurde, da das Wasser aus einer Art Lagune kommt und daher angenehm warm ist. Die Kinder sprangen oben in den Fluss und ließen sich von der Strömung bis ins Meer tragen. Wir fuhren die Serpentinenstraße weiter Richtung Marahau. Unterwegs machten wir zu Fuß einen Abstecher in eine einsame Bucht, wo im Meer der Split Apple Rock liegt. Nach einem kurzen Stopp in Marahau fuhren wir über den Highway zurück zu unserem Campingplatz.
Der nächste Tag war ein kleines Stück vom Paradies. Wir starteten mit dem Wassertaxi von Kaiteriteri und fuhren am Abel Tasman National Park entlang Richtung Norden. Allein diese Fahrt vorbei an zahlreichen Buchten mit goldgelben Sandstränden war atemberaubend. Wir starteten in der Awaroa Bay mit unserer Wanderung. Von hier aus gingen wir einen einfachen Weg durch einheimischen Urwald in die nächste Bucht Onetahuti. Hier zog sich der Weg am langen Sandstrand entlang, bevor er wieder im Wald verschwand. Nun folgte ein schwierigeres Stück Weg mit Steigungen, nach dem wir in der Bark Bay ankamen. Von unserem Ziel Medlands Beach machten wir noch einen Abstecher zur Hängebrücke über den Falls River. Das Wassertaxi brachte uns wieder nach Kaiteriteri, wo wir uns ein erfrischendes Bad im Meer nicht nehmen ließen.
Den Morgen danach verließen wir die Gegend über die kurvenreiche Takaka Hill Road, diese ist die einzige Straße zur Nordspitze der Südinsel. Sie führt fast bis auf 800m Höhe und lieferte uns viele schöne Ausblicke auf den Kahurangi National Park und über Motueka bis zur Tasman Bay. Das Ziel ist Takaka, der letzte große Ort auf dem Weg in den Norden mit einer auffällig hohen Hippie-Quote. Am Nachmittag besuchten wir den eigenwilligen Labyrinth Rocks Park. Ein natürlicher Irrgarten, den der Regen aus dem Karstgestein gewaschen hat. Die Felsbrocken sind stark bewachsen und irgendwelche Kindsköpfe haben im gesamten Park bunte Plastikfiguren verteilt. Noch weiter westlich statteten wir dem Abel Tasman Denkmal einen Besuch ab. Die Aussicht war sehr schön, das Denkmal dagegen recht einfallslos. Den Abschluss bildeten die Wainui Falls, die wir über einen kurzen Spaziergang erreichten. Die Nacht verbrachten wir auf einem halb offiziellen Campingplatz, der eigentlich nur für self-contained Fahrzeuge bestimmt ist. Da sich aber mindestens 20 Toyota Estimas bzw. Zelte für die Nacht eingerichtet hatten, blieben wir auch.
Die Nacht verlief ruhig und ohne Strafen, also fuhren wir vergnügt weiter Richtung Norden. Wir frühstückten in Parapara, wo wir bei dem anschließenden Strandspaziergang einen Seestern mit ca. 20cm Durchmesser entdeckten. Gegen Mittag kamen wir in Puponga am Beginn der Landzunge Farewell Spit an. Wir machten einen 12km langen Spaziergang über die Landzunge, von der nur die ersten 4km für die Öffentlichkeit frei zugänglich sind. So gingen wir zuerst am Inner Beach an der Golden Bay entlang und überquerten dann die Landzunge über riesige weiße Sanddünen. Auf der anderen Seite gingen wir am Ocean Beach an der Tasmansee bis zum Fossil Point. Von hier aus führte uns der Weg über grünes Farmland zurück zum Auto. René hatte echte Schwierigkeiten Doreen von diesem hübschen Fleckchen wieder mitnehmen zu können. Ein bisschen westlicher von hier besuchten wir anschließend den nördlichsten Punkt der Südinsel, Cape Farewell, der als riesiges Felsentor ins Meer ragt. Da die Aussicht und das schöne Wetter uns überwältigten, gingen wir von hier noch den Klippenwanderweg bis zum Pillar Point Lighthouse und wieder zurück. An diesem Abend verschafften wir uns noch eine Abkühlung in einer Lagune und fanden eine schöne geschützte Stelle zum Übernachten. Hier parkte außerdem eine deutsche Familie, mit der wir am Abend noch ein wenig zu lang zusammengesessen haben.
Am nächsten Morgen sammelten wir am Strand unser Abendessen. Es war gerade Ebbe und so konnten wir einige Sandmuscheln finden. Anschließend fuhren wir nochmal an die Nordspitze zum Parkplatz des Wharariki Beach. Von hier führte uns ein 20-minütiger Spazierweg über grüne Weiden und Dünen an einen der schönsten Sandstrände, die wir bisher gesehen haben. Wir suchten uns eine schöne Stelle zum Verweilen und badeten in den riesigen Wellen im kristallklaren Wasser. Zum Abschluss kehrten wir im Café in Puponga mit Blick auf Farewell Spit ein und ließen die vielen Eindrücke sacken. Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zum Whanganui Inlet, dieses Gebiet ist touristisch nicht erschlossen. Nach einem kurzen Stopp, wobei wir die Ruhe und Abgeschiedenheit genossen, kehrten wir auf den „Campingplatz“ in Takaka zurück. An diesem Abend kam sogar die Security vorbei – fuhr aber unirritiert weiter. Also ist das Campen scheinbar inoffiziell geduldet. Die Sandmuscheln schmeckten trotz des kurzen Schrecks sehr gut.
Bevor wir wieder zurück nach Motueka fuhren, machten wir noch einen Ausflug zu den Te Waikoropupu Spings, kurz Pupu Springs genannt. Dieser Quelle entspringen bis zu 21m³ Wasser/Sekunde, sie zählt damit zu den 100 wasserreichsten Quellen der Welt. Aus Achtung der kulturellen Bedeutung für die Maori ist jeder Kontakt mit dem Wasser untersagt. In Motueka angekommen füllten wir unsere Vorräte auf und übernachteten noch einmal auf dem alt bekannten Campingplatz.
Bei einem Stopp an der sehr zu empfehlenden europäischen Bäckerei versorgten wir uns mit RICHTIGEM Roggenmischbrot! Gut versorgt für die nächsten Tage verließen wir Motueka Richtung Nelson Lakes Nationalpark. Unser Ziel ist St. Arnaud am Lake Rotoiti. Als wir hier ankamen, hingen schon einige Wolken in den Bergen. Wir machten trotzdem einen Spaziergang entlang der Brunner Peninsula. Am Abend wurden wir von Heerscharen heimischer, beißender Sandmücken heimgesucht und verkrochen uns deshalb zeitig im Auto.
Am nächsten Tag regnete es leider, weswegen wir unsere Pläne mit einer Wanderung im Nationalpark und der Fahrt an die Westküste über den Haufen warfen. Aber mehr dazu im nächsten Beitrag! 🙂