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Von Hastings bis nach Wellington

Um Doreens Sehnsucht nach dem Meer zu stillen, fuhren wir vom Zentralplateau nicht direkt nach Wellington sondern nehmen einen Umweg über Hastings in Kauf. Die kürzeste Strecke dafür ist die Gentle Annie Road – eine Direktverbindung von Taihape nach Napier. Diese Straße ist sehr kurvenreich und vom neuseeländischen Automobilverband als anspruchsvoll klassifiziert, mittlerweile aber komplett asphaltiert. Im Winter wird sie häufig gesperrt, der Umweg über Taupo ist dann mehr als doppelt so lang.
Wir hatten Glück – es ist Sommer und bei strahlendem Sonnenschein waren die ersten paar Kilometer einfach überwältigend. Die Landschaft wechselte abrupt von den massiven Gipfeln des Hochplateaus in nicht enden wollende, grasgrüne Hügel auf denen unzählige Kühe und Schafe weideten. Nach zwanzig Kilometern fanden wir direkt an der Straße am Rangitikei River einen kostenlosen Campingplatz. Hier konnten wir erstmal unsere Eindrücke sacken lassen.
Am nächsten Morgen konnten wir beim Frühstück zwei Farmer beobachten, die auf der Weide am Hang gegenüber eine gemischte Herde aus Kühen und Schafen mit Hilfe ihrer sechs Hunde trennten und in entgegengesetzte Richtungen trieben. Nach unzähligen Fotostopps kamen wir schließlich in Hastings an. Die Stadt entpuppte sich als nette, saubere und spießige Kleinstadt in der man zwar alles bekommt was man braucht aber eben auch nicht mehr. Wir aßen hier etwas zu Mittag und fuhren weiter nach Havelock North. Dort fuhren wir hinauf zum 399m hohen Gipfel des Te Mata Peak. Von hier aus hatten wir einen guten Ausblick von der Küste des Pazifiks bis zum Mt. Ruapehu des Tongariro Nationalparks. Die Schlafplatzsuche entpuppte sich als sehr schwierig. Freedom Camping ist für „non-selfcontained“ Camper im kompletten Regierungsbezirk Hastings verboten. Spät am Abend wurde uns die Entscheidung durch einen Sicherheitsbeamten abgenommen – wir fanden noch einen netten und günstigen Campingplatz in Te Awanga, den wir gleich für zwei Nächte buchten.
Am Tag darauf wanderten wir direkt von hier zum Cape Kidnappers. Die insgesamt 16km lange Strandwanderung ist nur ein paar Stunden vor und nach Ebbe möglich. Trotzdem blieben ein paar kurze Fußbäder nicht aus. Die letzte halbe Stunde ging es hinauf auf die Klippen, auf denen sich die größte Basstölpel-Kolonie der Nordinsel befindet. Hier kommt man bis auf ein paar Meter an die direkt auf dem Boden brütenden Vögel heran. Nach dem Rückweg in der prallen Sonne genossen wir die kostenlosen heißen Duschen auf dem Campingplatz und zogen uns vor dem aufkommenden Wind zeitig zurück.
Doreen gönnte sich am Morgen der Weiterreise noch eine unnötige Wohlfühldusche und wir machten uns auf dem Weg nach Süden. Dafür nahmen wir nicht den Highway, sondern tingelten die Nebenstraßen entlang. Wir steuerten zuerst Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu an. Der weltlängste Name eines Ortes beschreibt einen nahen Hügel mit „Die Kuppe eines Hügels, wo Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der rutsche, kletterte und Berge aß und der der Landverspeiser genannt wird, seinem Bruder auf der Flöte vorspielte“ (Übersetzung lt. Lonely Planet, 2013). Wir fuhren weiter über Pine Grove, Pongaroa, Tiraumea und Alfredton. Hier bogen wir auf eine unbefestigte Straße ab die über Castle Hill nach Tinui führte. Asphaltierte Straßen führten uns schließlich bis kurz vor Castle Point. Hier fanden wir versteckt im Wald, direkt hinter den Dünen, einen Platz zum Schlafen. Nach 180km Fahrt grillten wir uns ein paar Burger und gingen nach einem Strandspaziergang schlafen.
Nach einer etwas unruhigen Nacht (Brunni stand auf dem unebenen Waldboden extrem schief) fuhren wir nach Castlepoint. Dort steht ein Leuchtturm auf einer Klippe die nur über eine Sandbank mit dem Ort verbunden ist. Daneben befindet sich eine Lagune, deren Felsen von den Wellen überspült werden. Kurzum ein Ort, wo René Schwierigkeiten hatte Doreen wieder mitzunehmen. Wir machten einen Rundgang um den Leuchtturm und kletterten über die Klippen. Nach einer kleinen Stärkung gingen wir noch hinauf zum Castle Rock, von wo aus wir einen schönen Blick auf die Lagune und den Leuchtturm genossen haben. Wieder zurück am Auto beschlossen wir noch unterhalb des Leuchtturms nach einer Höhle zu suchen von der wir lasen. Sie ist nur bei Ebbe begehbar und wurde vom Meer aus dem Felsen gespült. Beim konzentrierten Klettern über die scharfen Lavafelsen wurde René von einer Fellrobbe angebrüllt, die sich dort zum Sonnenbad zurückgezogen hatte. Wir hätten sie eigentlich riechen müssen. Zum Trost gab es ein Eis und wir fuhren anschließend weiter bis nach Featherston. Auf einem kostenlosen DOC-Campingplatz kochten wir und genossen kühles Radeberger Pilsener aus der Dose.
Von Featherston ging es am nächsten Tag an die Südspitze der Nordinsel. Wir fuhren direkt zu dem auf einer Klippe gelegenen Leuchtturm am Cape Palliser. Nachdem wir die 253 Stufen hinauf und wieder hinunter gestiegen sind, fuhren wir die Straße zurück und hielten an der größten Fellrobben-Kolonie der Nordinsel. Nachdem wir uns an den Babyrobben satt gesehen hatten, war der nächste Stopp bei den „Boatdozern“ in Ngawihi. Hier werden alte und verrostete Bulldozer noch dazu verwendet die Fischerboote an Land zu ziehen. Etwas weiter nördlich brachen wir dann zu den Putangirua Pinnacles auf. Hier ritt Aragorn entlang der Pfade der Toten im dritten Herr der Ringe Teil hindurch. Nach zweieinhalb Stunden meist durch die grelle Sonne waren die 7km geschafft. Zurück in Featherston gab es noch ein Eis für René zur inneren Abkühlung. Wieder auf dem Campingplatz von vergangener Nacht angekommen, nahmen wir noch ein Bad im angrenzenden Fluss.
Tags darauf fuhren wir nach Wellington und wurden von „Windy Welli“ standesgemäß willkommen geheißen. Der Wind war sehr böig und frisch. Wir fuhren zunächst quer durch die Stadt zu einer gratis Dusche. Zurück im Zentrum gingen wir ins i-Site, wo wir unsere Fährüberfahrt zur Südinsel buchten. Ein kleiner Stadtrundgang, u.a. auf der Suche nach etwas Essbarem, führte uns durch belebte Straßen bis zum Hafen, in dem es uns fast von der Promenade geweht hätte. Wellington stellt für Camper etwas außerhalb der Stadt einen Parkplatz zur Verfügung. Dort verbrachten wir bei starkem Wind die Nacht.
Zum Glück war der Wind am kommenden Tag wesentlich schwächer, so dass wir sogar draußen frühstücken konnten. Anschließend parkten wir unsere Brunni im Zentrum und machten einen Stadtrundgang. Wir gingen die Hafenpromenade entlang und machten einen kurzen Abstecher in das kleine Museum „Wellington Museum of City & Sea“. Dort steht ein Modell der Pamir, die 1941 in Wellington beschlagnahmt wurde und bis 1948 unter neuseeländischer Flagge fuhr. Vorbei am Bahnhof gingen wir zu den Old Government Buildings und zum „Bienenstock“ – dem Beehive & Parliament Buildings. Im botanischen Garten tranken wir am Lady Norwood Rose Garden einen Kaffee und gingen danach hinauf zur Bergstation des Cable Car. Damit fuhren wir wieder hinunter in die Stadt. Zurück auf dem Campingplatz lernten wir einen netten Niederländer kennen mit dem wir auf unseren Jahrestag anstießen.
Der folgende Tag startete bewölkt, dadurch war es fast windstill. Wir fuhren rund um die Halbinsel östlich des Flughafens. Bei klarem Himmel wäre die Aussicht sicher besser gewesen. In Miramar, einem Stadtteil von Wellington, hielten wir bei der Weta Cave. Hier sind die Animationsstudios beheimatet die u.a. bei Herr der Ringe und Der Hobbit mitwirkten. Das Museum entpuppte sich als Souvenirladen für reiche Freaks, wir waren also schnell wieder draußen. Im Museum Te Papa sahen wir Ausstellungen zu der heimischen Tierwelt und den in Neuseeland allgegenwärtigen Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Tsunamis. In einem kleinen Raum wurde ein Erdbeben der Stärke fünf simuliert. Eine große Ausstellung zur Maorikultur und -geschichte bildeten den Abschluss. Am Abend fuhren wir bei Sonnenschein auf den Mt. Victoria Lookout und verabschiedeten uns von Wellington.
Um 4:54 Uhr klingelte am folgenden Tag der Wecker. Wir fuhren in den botanischen Garten um dort eine gratis Dusche zu nutzen. Um 7:00 Uhr begann das Boarding unserer Fähre „Blue Bridge“ nach Picton. Nach fast zwei Monaten und 5500km mit unserer Brunni verließen wir die Nordinsel und erkunden nun die Südinsel Neuseelands.

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Faule Eier und Vulkane – das Zentralplateau

Von unserem Weihnachtsquartier an der Bay of Plenty fuhren wir am 2. Weihnachtsfeiertag ins Landesinnere der Nordinsel – das Zentralplateau. Hier ist unter der Erdoberfläche jede Menge los und ließ uns Staunen und Entdecken…
Nach einigen Kilometern wurden wir vom Lake Rotoma begrüßt. Dieser ist, wie die vielen folgenden Seen Lake Rotoehu und Lake Rotoiti kristallklar. Auf der Weiterfahrt stieg uns beißender Geruch in die Nase, es roch nach faulen Eiern. Wir sind in Hells Gate angekommen, einem von vielen geothermischen Gebieten rund um Rotorua. Nach einem kurzen Stopp am Lake Rotorua mit Blick auf die Mokoia Island kamen wir in Rotorua an. Hier gingen wir in einen kostenlosen geothermischen Kuirau Park direkt in der Stadt. Überall blubberten heiße Quellen, Schlamm kochte und es roch nach Schwefel. Ein abenteuerliches Spektakel. In einem öffentlichen Becken ließen wir unsere Beine im warmen Schwefelwasser baumeln. Nördlich des Lake Rotorua verbrachten wir die Nacht direkt am See, um am nächsten Tag an den Okere Falls den Touristen beim Wildwasserrafting zuzusehen.
Anschließend fuhren wir ins Whakarewarewa Thermal Village, einem Maoridorf in dem es überall heiße Quellen gibt und die zwei aktivsten Geysire Neuseelands Pohutu und Prince of Wales zu bewundern sind. Ein Bewohner des Dorfes führte uns herum und zeigte uns wie die Einwohner „unter der Erde“ kochen und im heißen, geothermischen Wasser baden. Uns wurden Tänze der Maori gezeigt, darunter der Haka, und wir aßen einen Maiskolben der im Hangi, eben diesen heißen Quellen, gegart wurde. Diese Nacht verbrachten wir etwas außerhalb von Rotorua am Lake Okareka, um mal wieder tief durchatmen zu können.
Nach einem Spaziergang um den Lake Tikitapu fuhren wir zum Rotorua Museum. Hier konnten wir den Ausbruch des Mt. Tarawera in einem „Sitzewackelkinofilm“ fast hautnah miterleben. In diesem Kino ist es wichtig sich nicht in die letzte Reihe zu setzen, da diese nicht animiert ist. Sonst muss man sich den Film ein zweites Mal anschauen, so wie wir. 🙂 Auf dem Weg weiter nach Süden bogen wir in die mit Abstand schlechteste Straße unserer bisherigen Reise ein. Übersäht mit tiefen Schlaglöchern hoppelten wir ein paar Kilometer die Straße entlang bis zu einem Parkplatz ohne Schilder oder Hinweistafeln. Lediglich die parkenden Autos und sich umziehende Menschen zeigten, dass wir richtig waren. Mitten im Wald ist ein natürlicher Hot Pool, dessen Temperatur frei wählbar ist. Je nachdem wie weit wir uns flussaufwärts oder flussabwärts ins Wasser setzten, desto wärmer oder kälter wurde es.
Tags darauf mussten wir zeitig aufstehen. Nach dem Frühstück an den Mud Pools hatten wir ein Date mit dem Lady Knox Geysir. Fast pünktlich um 10:15 Uhr werden ihm dort einige Stücke (Bio-)Seife in den Schlund geworfen und der Geysir dankt es den hunderten von Zuschauern mit einer kurzen, ca. 20m hohen Eruption. Danach fuhren alle gleichzeitig zurück zum Hauptpark und gingen, nachdem das Verkehrschaos gelichtet war, durch das Wai-O-Tapu Wonderland. Dies ist ein riesiger Park mit den verschiedensten geothermischen Phänomenen. Anschließend fuhren wir nur ein paar hundert Meter bis zu einer Badestelle, an der ein warmer und ein kalter Fluss zusammenfließen. Bei den Twin Streams kann man also zweidimensional die Temperatur wählen. 🙂 Noch am selben Tag fuhren wir noch bis an den Stadtrand von Taupo, wo es einen kostenlosen Campingplatz gibt.
Nach dem Ausschlafen fuhren wir nach Taupo und waren gleich von dem Gewimmel überwältigt. Ein Stadtrundgang konnte an dem ersten Eindruck nicht viel ändern. Wir aßen in einem richtigen Restaurant thailändisch zu Mittag. Dort durften wir unsere Kameraakkus aufladen und uns von der Hektik der Stadt zurückziehen. Nach einem kurzen, weil kalten, Bad im Lake Taupo suchten wir uns auf dem Campingplatz von letzter Nacht eine neue Stelle zum Schlafen. Ein Neuseeländer hieß uns herzlich willkommen und gab uns auch gleich ein holländisches Bier aus. Bei Preisen von umgerechnet 2€ für eine Halbliterdose ein Angebot was man nicht ausschlagen kann. Nach dem Kochen gingen wir gemeinsam Wasser am angrenzenden Fluss holen – so zumindest der Plan. Rückblickend betrachtet war die Stelle, die sich René dafür aussuchte zumindest suboptimal. Der Stein war rutschig und die Pantoletten vermittelten nicht genügend Bodenhaftung, so dass René, samt Flaschen und Tascheninhalt in den Fluss fiel. Das Wasser war klar, tief und nicht zu kalt. Lediglich die zwei Handys, der Autoschlüssel und die Wahl der Kleidung sprachen gegen das Baden. Nach dem ersten Schreck entleerte René noch im Wasser seine Hosentaschen, schaute etwas wehleidig den zwei leeren Plastikflaschen hinterher, die langsam an der Wasseroberfläche flussabwärts trieben, und stapfte seinem zweiten Latsch hinterher. Dann zog er sich ans Ufer um seine besorgte, laut lachende Doreen zu beruhigen. Triefend nass gingen wir zum Auto, wrangen literweise Wasser aus den Sachen (wieviel Liter Wasser in so eine Jogginghose passen – unglaublich) und gingen ins Bett. Fazit: Ein nasses Handy das noch funktioniert, ein Autoschlüssel der nun besser funktioniert und ein Handy das nicht mehr funktioniert, Totalverlust zweier Plastikflaschen.
Am Silvestertag machten wir zunächst eine Wanderung zu den Huka Falls und fuhren danach mal wieder an den See zum Waschen. Wir fanden auch dort eine Stelle an der heißes Quellwasser austritt, das machte es halbwegs erträglich. Anschließend fuhren wir zum Honey Hive, einem Souvenirshop mit angrenzendem gläsernem Bienenstock. Es gab dort alles aus Honig und einen interessanten Film über Bienen und die Imkerei. Den Jahreswechsel verbrachten wir am Ufer des Lake Taupo. Hier fanden wir ein geschütztes Plätzchen unter zwei Bäumen, denn es begann etwas zu regnen. Wir sahen ein schönes Feuerwerk und mussten nicht, wie in der Heimat mittlerweile üblich, um unser Leben fürchten – Feuerwerkskörper gab es nirgendwo zu kaufen. Zurück auf dem Zeltplatz genehmigten wir uns eine Flasche neuseeländischen Sekt und schliefen daraufhin gut. 🙂
Um uns auf schwerere Wanderungen vorzubereiten fuhren wir nach Kinloch und gingen von hier bis an die Kawakawa Bay und zurück. Nach 16km kamen wir geschafft am Auto an und suchten nach einem Badeplatz. In Kinloch war uns zu viel los, also fuhren wir weiter. Uns verschlug es in die einsame Whakaipo Bay. In dieser Bucht waren nur ein paar Einheimische, die mit ihren Booten bis an den Strand gefahren sind. Sie treffen sich mit Familie oder Freunden, machen hier Picknick, baden oder fahren auf den See raus. Wir beschlossen hier zu kochen und über Nacht zu bleiben.
Nach dem Ausschlafen fuhren wir zum Aratiatia Kraftwerk nördlich von Taupo. Hier werden im Sommer viermal am Tag die Schleusen geöffnet (im Winter dreimal), um für jeweils eine viertel Stunde die Aratiatia Rapids (Stromschnellen) wieder zum Leben zu erwecken. Diese sind in den restlichen Stunden wegen eines Wasserkraftwerks nahezu trocken gelegt. Danach verließen wir Taupo und fuhren östlich des Lake Taupo nach Süden bis nach Turangi. Eine halbe Stunde außerhalb der Stadt gibt es einen kostenlosen DOC-Campingplatz, der für die folgenden drei Nächte unser Stellplatz wurde.
Am ersten Tag fuhren wir am Nordrand des Tongariro Nationalparks entlang und wurden von dem Anblick der Berge überwältigt. Weiter nördlich gingen wir den Rundweg um den Lake Rotopounamu. Nach einem kleinen Spaziergang in Turangi waren wir bereits um 17:00 Uhr wieder auf dem Campingplatz. Wir gingen zeitig ins Bett, da der Wecker am nächsten Tag um 4:14 Uhr klingeln sollte. Wir wollten zum Tongariro Alpine Crossing aufbrechen.
Das Tongariro Alpine Crossing ist die wohl schönste Eintageswanderung Neuseelands. Über 19,4km geht es vom Startpunkt mit 1100m auf 1900m hoch und danach wieder auf 750m Höhe herunter. Veranschlagt sind 5,5 bis 7,5 Stunden ohne Pause. Wir standen also zeitig auf und fuhren zum Parkplatz Ketetahi, der am Nachmittag unser Ziel der Wanderung sein sollte. Hier wurden wir nach dem Frühstück von einem Shuttlebus abgeholt und zum Startpunkt Mangatepopo Roadend gebracht. Von dort aus liefen wir die Wanderung in Eigenregie zurück zu unserem Auto. Die erste Station waren die Soda Springs. Der Anstieg bis hier war mäßig und wurde mit einem kleinen Wasserfall belohnt. Der nächste Abschnitt war der schwierigste: Zum South Crater ging es viele Stufen bergauf, von 1400m auf 1800m Höhe. Danach haben wir erstmal ausgiebig Pause gemacht. Zum Red Crater ging es zunächst gerade hin. Der Himmel zog langsam auf und man konnte die Berge und Krater ringsum sehen. Der Mt. Ngauruhoe (2287m) verschwand aber immer wieder in den Wolken. Nach der Ebene gab es nochmal ein steiles Stück unbefestigten Weges, teils mit Ketten zum Hochziehen, bis zum Gipfel des Crossing, dem Red Crater auf ca. 1900m Höhe. Wir gingen von hier noch den Abstecher zum Mt. Tongariro. Der Gipfel liegt auf 1967m und war leider komplett mit Wolken verhüllt, so dass wir keine Aussicht hatten. Wieder zurück am Red Crater ging es noch ein kurzes Stück hoch und dann einen Abhang mit losem Geröll herunter bis zu den Emerald Lakes. Hier kamen die KollegInnen in Turnschuhen in arge Nöte. Am Blue Lake vorbei begann nun der Abstieg, der sich ewig hin zog. An dem Ketetahi Shelter machten wir die letzte Rast und waren nach acht Stunden wieder am Auto – geschafft und glücklich. Wir schnauften kurz durch und fuhren nach Turangi in die Schwimmhalle. Dort konnten wir im warmen Wasser entspannen und danach heiß duschen. Zur Belohnung gab es Cheeseburger und Pommes. Wir haben hervorragend geschlafen.
Den nächsten Tag ließen wir ruhig angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück planten wir die weitere Route. Aufgrund des hervorragenden Wetters fahren wir westlich am Tongariro National Park nach Süden. Die Gipfel des gesamten Nationalparks sind wolkenfrei. Wir machten unzählige Fotos vom Mt. Ngauruhoe, Mt. Tongariro und dem schneebedeckten Mt. Ruapehu. Wir fuhren die Bruce Road nach Whakapapa Village ins DOC Visitor Center und weiter bis nach Iwikau. Dies ist ein Skiort auf 1600m Höhe, der im Sommer recht trostlos wirkt. Weiter ging es auf dem Highway nach Süden zum Makatote Viaduct vorbei am Last Spike Memorial. Hier wurde 1908 der letzte Schwellennagel in die Bahnlinie von Wellington nach Auckland geschlagen. Damit wurde die letzte Pionierleistung Neuseelands zu Ende gebracht. In Ohakune umarmten wir eine Riesenmöhre und wuschen Wäsche. Der SH49 führte uns weiter nach Osten und wir hielten in Tangiwai an der Gedenkstätte zur Eisenbahnkatastrophe von 1953. Ein Lahar vom Mt. Ruapehu riss am Heiligen Abend eine Eisenbahnbrücke weg über die Minuten später der Nachtexpress Wellington-Auckland fahren sollte. Der Zug stürzte in die Tiefe und forderte 151 Tote. Der letzte Eisenbahnwaggon wurde 8km stromabwärts gefunden. In Waiouru hielten wir noch am Queen Elizabeth II Army Memorial Museum. Hier bogen wir auf die Gentle Annie Road ab die uns an die Ostküste führen sollte.