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Raus aus dem Alltagstrott

Raus aus der spießigen Wohnsiedlung, raus aus dem immer noch währenden Umzugskisten-Chaos und raus in die Natur! Keine Bio-Mülltonnen – nur Bio-Toiletten, kein Radio gegen Umgebungsgeräusche – nur die Stille der Natur und vor allem kein Stress – sondern einfach dem folgen auf was wir Lust haben.
Am ersten Aprilwochenende packten wir samstags einfach unsere Sachen ins Auto (also eigentlich tat es René) und am Nachmittag fuhren wir nach Oberbayern in den Chiemgau. Nachdem wir einen unfreiwilligen Umweg von Landshut aus über Waldkraiburg machten, fanden wir uns auf oberbayrischen gravel roads wieder. Anschließend fuhren wir, vorbei an einem tollen Aussichtspunkt, direkt nach Wasserburg am Inn. Nach einem Kaffee und einem Spaziergang ging es weiter nach Rosenheim. Hier machten wir noch einen netten Abendspaziergang durch die Altstadt und suchten vergebens nach Drehorten der „Rosenheim Cops“. Von hier aus fuhren wir zum östlich von Rosenheim gelegenen Simssee, wo wir bereits beim dritten Anlauf einen Stellplatz am nördlichen Seeufer fanden. Beim Abendessen am See hatten wir den Blick auf die Silhouette der Alpen. In unserem Auto schliefen wir, trotz langer Pause, wieder besser als im Bett.
Am nächsten Morgen war die Luft immer noch etwas trüb vom Saharastaub, aber wir ließen uns beim Fotografieren am See davon nicht beirren. Wir fuhren vom Simssee aus an das Ufer des Chiemsees, wo wir gemütlich frühstückten. In Prien am Chiemsee ließen wir uns von einem Café am Seeufer anlocken. Hier gab es einen Cappuccino zum Munter werden und dann eine Cola, nein, wenigstens ein Radler, wir sind immerhin in Bayern. 🙂 Als wir unsere Speicher mit Sonnenstrahlen aufgefüllt hatten, machten wir am Nordufer des Chiemsees eine Tour über Gstadt am Chiemsee, das Kloster Seeon, Seebruck und Chieming nach Traunstein. Hier überraschte uns ein buntes Fest, aber den Weg zum berühmten Hofbräuhaus Traunstein fanden wir trotzdem. Am späten Sonntagnachmittag ging dann langsam ein wunderschöner Mini-Kurz-Urlaub zu Ende.

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Valensonntag

Heute, Valentinstag, oder auch Valensonntag wie René zu sagen pflegt und Doreen auf die Palme bringt, birgt wieder einmal die Frage inne: Was haben wir vor einem Jahr gemacht? Ja, noch können wir eine weitestgehend spektakuläre Antwort ins unserem Reisetagebuch finden. Genau vor einem Jahr waren wir an der West Coast der Südinsel von Neuseeland, genauer in Hokitika. Wir hatten einen echten Festtag, denn wir duschten in einem Hallenbad und machten einen Strandspaziergang nachdem wir „gesunde“ Burger mit „noch gesünderen“ Fish & Chips aßen. Tatsächlich glaubten wir anschließend am Strand Jade gefunden zu haben, bis uns ein in die Jahre gekommener Souvenirverkäufer jegliche Illusionen raubte. Nach einem Kaffee machten wir noch einen großen Vorratseinkauf in einem neuseeländischen Supermarkt, da diese an der West Coast nicht so dicht gesät sind. Auf der Weiterfahrt entstand ein schönes Selfie von uns, was wahrscheinlich seit etwa einem Jahr im Wohnzimmer von Doreens Eltern steht (frisch gewaschene Haare, schön braun und schlank trotz gesundem Burger, … und so). 🙂 Na jedenfalls erinnern wir uns dank der Aufzeichnungen, dass wir an dem Valentinstag 2015 feierlich Possum essen gehen wollten, in einer 2-Einwohner-Stadt namens Pukekura. Doch dort war alles geschlossen und deswegen aßen wir wieder gesund – Chips und tranken Wein aus dem Waipara Valley im Auto (wegen der Sandfliegen) am Lake Ianthe auf einem schrägen DOC-Campingplatz. Der Sonnenuntergang am See war jedenfalls romantischer als der heutige Abend, wenn auch nicht unbedingt gesünder.

Heute war wieder so gewöhnlich wie Silvester. Wir frühstückten ausgiebig mit frisch gepresstem Orangensaft und gekochten Eiern, aber das versuchen wir jeden Sonntag. Und dann lackierten wir, verarbeiteten etwa 1500 Mosaiksteine und nähten hier und klebten dort… So richtig fertig sind wir noch lange nicht mit unserer Wohnung und doch haben wir uns getraut liebe Freunde für Mitte März einzuladen um auf unseren Einzug anzustoßen und Doreens 30iger nachzufeiern. Außerdem erstrahlen im Wohnzimmer Fairtrade Rosen für 2,50 Euro von Lidl und zu Mittag gab es Herz-Nudeln. Ist das der Sinn vom Valentinstag? Für uns bedeuten solche Tage an sich wenig. Nachdem wir nach langjähriger Freundschaft ein Paar geworden sind, haben wir aufgehört uns zu Geburtstagen, an Weihnachten oder sonstigen vorgegebenen Gelegenheiten etwas zu schenken. Und das tut gut, denn so achten wir mehr auf kleine Aufmerksamkeiten im Alltag und gehen einfach mal einen Kaffee trinken. 🙂

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Verflixt, wie die Zeit vergeht

Vor einem Monat wollten wir euch, schon fast traditionsgemäß, ein neues Jahr wünschen. Aber einfach nur weil man das eben so macht? Nein, weil ein neues Jahr beginnt und damit bei vielen von uns ein gewisser Ansporn, ein neues Ziel oder sonst etwas damit verknüpft ist. Die gute Absicht…. 🙂 Wir haben Silvester zwar nicht verpennt, aber vor lauter Kisten ausräumen fast verpasst. Noch schnell kurz vor Mitternacht an den Sekt gedacht, den Korken knallen lassen, etwas wehmütig an das Silvester vor einem Jahr gedacht und dann ging eigentlich alles weiter wie zuvor.

Zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel sind wir in unsere erste gemeinsame Wohnung in Landshut gezogen und seitdem leben wir das erste Mal einen ganz gewöhnlichen Alltag zu Zweit. Nur, dass wir nach fünf Wochen immer noch viele Kisten hier stehen haben und nicht wissen was wir einmal mit dem Platz anstellen sollen, wenn sie weg sind. Wieso dauert das denn so lange? Zum einen dauert es seine Zeit, weil wir einige Möbel selbst bauen, zusätzlich misten wir unsere Sachen noch aus und dann findet ja auch das Leben außerhalb der Wohnung statt. Neben der Arbeit und dem Studium, versuchen wir auch nach und nach unsere neue Wahlheimat zu erkunden und haben hier auch schon den ersten Besuch empfangen. Letzte Woche war Doreen in Österreich und hat dort viele gute Gespräche mit Freundinnen führen können.

Wir haben wahnsinnig viele Ideen – kreativer Art, aber auch wie wir unsere Erfahrungen und Befindlichkeiten unserer Neuseelandreise in unseren Alltag integrieren können. Manchmal stellen wir uns die Frage, ob wir vielleicht doch nochmal gehen müssen. Ihr übriges tun Bücher in der Art von John Streleckys „Das Café am Rande der Welt“, in dem es um den Sinn des Lebens, um unseren Zweck der Existenz und in anderen Büchern auch um die „Big Five For Life“ geht. So philosophieren wir viel, überlegen wie wir einen Sommerurlaub ohne „all inclusive“ planen und neben der Wohnung auch den Blog neu gestalten können. Ideen sind wie immer herzlich willkommen. 🙂

Das war es erst mal mit unseren Neujahrsgrüßen Anfang Februar, ja, als Neujahrsgrüße kann das hier auch verstanden werden. Wir wünschen euch natürlich Gesundheit und alles Gute bei euren Vorhaben, egal ob ihr sie euch am Jahresanfang vorgenommen habt oder im Februar…

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Frohe Weihnachten

Wir wünschen Euch und Euren Lieben ein besinnliches Ostern Weihnachtsfest! Entspannt Euch vom Alltag, habt Spaß mit der Familie und genießt die Sonnenstrahlen!

Liebe Grüße
Doreen & René

PS: Die Fotos sind von HEUTE!

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Das hat uns vorher niemand gesagt

Heute haben wir unseren Jahrestag, also nicht vom Kennenlernen, Zusammenkommen oder von unserer Verlobung. Sondern heute vor einem Jahr sind wir abgehoben – und zwar im doppelten Sinne. Wir flogen nach Neuseeland zu unserem größten Abenteuer seit wir durch einen engen Geburtskanal das Licht der Welt erblickten. Seit Mai sind wir nun zurück in Deutschland und viele von euch fragen sich vielleicht was wir in diesen letzten sechs Monaten so unternommen haben, wie sich unsere Rückkehr angefühlt hat und wie wir wieder Fuß gefasst haben. Also die kurze Version ist: Es war schwerer als gedacht wieder Fuß zu fassen. Es hatte sich daheim nicht viel verändert, wir hatten uns verändert. Unsere neuen Eindrücke und Erfahrungen ließen sich schwer in den Alltag einbringen. Und ein Leben mit geregelter 40h-Woche und Wohnung wollte so gar nicht zu dem Leben passen das wir in Neuseeland führten und nun auch gewohnt waren. Wir haben völlig unterschätzt, wie uns diese Reise und die neu gewonnenen Perspektiven verändert haben. Das hat uns vorher niemand gesagt. In jedem Blog oder Bericht stand, wie schwer es für eine Beziehung ist zu Zweit eine solche Reise zu unternehmen, man sich eine Strategie überlegen sollte allein weiter zu reisen, sollte es zum Bruch kommen. Aber niemand schrieb wie schwer es sei nach einem so freien und unbeschwerten Leben wieder zu Hause in den Alltag zu finden. Das war die schwerste Phase unserer Reise und sie dauert noch an.

Für die längere Version der letzten Monate müssen wir tatsächlich unseren Google-Kalender öffnen, denn die Zeit raste wie bei den meisten Menschen so vor sich hin und dann fragten wir uns plötzlich mit was wir sie verbracht haben. Natürlich haben wir uns die ersten Tage und Wochen Zeit genommen um „anzukommen“: Wir haben unsere Sachen ausgepackt, waren beim Friseur :-), gingen shoppen und haben viele Stunden mit unseren Familien verbracht. Das war ein bisschen ungewohnt aber gleichzeitig eine wertvolle Phase, die wir so nie wieder haben werden. Da wir unsere Wohnungen aufgegeben hatten, wohnten wir bei unseren Eltern, pendelten viel hin und her und verbrachten so viel Zeit mit ihnen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an euch für die gute Verpflegung, das Vertrauen in uns und all die tausend Kleinigkeiten! Neben unserer Verwandtschaft hatten natürlich auch unsere Freundinnen und Freunde Priorität. Da diese ziemlich verstreut sind, waren wir kreuz und quer in Sachsen unterwegs, zum Beispiel in Dresden und Leipzig. Und natürlich waren wir auch in Wien, wo wir sie entweder beim Heurigen oder im Kaffeehaus antrafen. Auch bei vielen von ihnen hat sich einiges verändert. Einige haben Nachwuchs bekommen, ein Häuschen gebaut und leider auch mit einer Krankheit zu kämpfen gehabt. Es war toll alle wiederzusehen und ihre Geschichten zu hören. Auch an euch vielen Dank für eure Zeit, dafür das ihr uns nicht vergessen habt und fürs Zuhören! 🙂 Nach dem Besuch in Österreich hängten wir ein paar Tage an der italienischen Adria in Lido di Jesolo an. René musste ein wenig überzeugt werden, aber das war es wert. Nach den vielen Eindrücken aus der Heimat waren wir so geplättet, dass es total gut tat mal wieder zu Zweit zu sein und nichts weiter zu tun als die Sonne zu genießen, den Gedanken freien Lauf zu lassen und uns mit unserer Zukunftsplanung auseinanderzusetzen. Ein unendliches Thema, was wir immer noch nicht abgeschlossen haben.
Bereits im Juni fuhren wir zu ersten Bewerbungsgesprächen von René und waren schließlich bis Ende September viel in Deutschland unterwegs, schrubbten Kilometer und bekamen viele Eindrücke von Orten zwischen Flensburg und Ravensburg. René machte im Juli noch einen Lehrgang, Doreen verbrachte in dieser Zeit noch einmal zwei Wochen in ihrer alten Wahlheimat bei Wien. Bei René war der Jobwechsel ja bereits entschieden und auch Doreen traf in dieser Zeit die Entscheidung, dass der alte Job mit allem drum und dran mit ihren neuen Eindrücken nicht mehr zusammen passte. Außerdem entschieden wir uns bewusst dafür an einem Ort zu beginnen, der für beide neu war. Zwischenzeitlich stand Deutschlands Küste hoch im Kurs, seit Anfang Oktober sitzen wir allerdings im Freistaat Bayern. 🙂
Im August, etwa drei Monate nach unserer Rückkehr, packte Doreen eine verrückte Idee… Wir waren so viel unterwegs und das auch an schönen Orten, aber Geld für die Übernachtungen wollten wir nicht ausgeben, zumal wir das in Neuseeland anders gelöst hatten. Kurzerhand ließ sich René von der Idee mitreißen (er erinnert sich nicht mehr daran wie) und wir bauten ein Bett in die dicke Peggy. Für alle die uns nicht so gut kennen, Peggy ist eins von unseren Autos. 🙂 Es war etwas einfacher als in Neuseeland, weil wir in der Werkstatt von Doreens Opa alle Werkzeuge fanden, die wir brauchten. Auch hatten wir ja schon gute Erfahrungen gemacht und so ist das Bett in der Peggy mindestens drei Mal so stabil wie das von Brunni. Aber so ein modernes Auto hat auch seine Nachteile, es ist viel aus Plastik und so haben wir nach stabilen Auflagepunkten suchen müssen. Aber auch diese Hürde haben wir mithilfe eines ambitionierten Ford-Autoverkäufers aus der Nachbarschaft von René gemeistert. So haben wir die vielen Fahrten zu Bewerbungsgesprächen von René und Doreen meist mit etwas Angenehmen verbinden können. Zu unserer Verwunderung darf man in Deutschland im Auto schlafen, sobald man nicht die STVO missachtet, auf Privatgrund steht, am Bürgersteig sein Geschäft verrichtet oder Müll ablädt. Super! Voller Übermut nähten wir für Peggy sogar Vorhänge. 🙂
Nun, so viel zu unserem Lotterleben, was momentan zumindest eine kleine Pause hat. Seit Oktober stehen wir wieder in Lohn und Brot. René arbeitet südlich von Regensburg. Doreen muss sogar bis nach Freising fahren. Den ersten Monat wohnten wir in einer netten Pension und seit Anfang November haben wir eine wunderschöne Ferienwohnung in der Nähe von Kelheim. Eine Wohnung in Landshut zu finden, ist schwerer als Arbeit. 🙂
Nun leben wir mehr oder weniger einen ganz gewöhnlichen Alltag, schlafen in einem richtigen Bett, haben die Koffer komplett ausgepackt und Plätzchenzutaten zum Backen gekauft. Nur so ganz normal fühlt es sich immer noch nicht an, da wir eben noch keine eigenen vier Wände haben und auf den Dachböden unserer Eltern und Großeltern das meiste Hab und Gut lagert. Aber wenn wir ehrlich sind, so richtig normal wollen wir es auch nicht haben, wir wissen nur noch nicht genau wie das Unnormale aussehen soll…

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Zurück

Seit gut einer Woche sind wir nun wieder daheim in Deutschland. Nach einem netten Empfang am Flughafen Dresden luden wir unsere Liebsten zum Essen ein und berichteten bereits von unserer Reise. Die darauf folgenden Tage erholten wir uns vom Jetlag, genossen die heimische Küche und erzählten von unseren Abenteuern.

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Auckland und seine vielen Gesichter

Unsere Neuseelandreise beenden wir in Auckland und Umgebung. Die letzten vier Wochen verbrachten wir in der Metropole, die wir erkundeten und lieb gewonnen haben. Uns erwarteten interessante Begegnungen mit Kiwis, die Erkenntnis, dass auch das Wohnen in festen vier Wänden zur Herausforderung werden kann, ein stets überfülltes Stadtzentrum von Auckland und im Gegensatz dazu Strände in den Außenbezirken und bezaubernde Inseln im Hauraki Golf.

Da standen wir nun mit unserer Brunni vor einer großen Stadtvilla in Taranaki. Das sollte unser Quartier für die letzten vier Wochen werden. Frohen Mutes schritten wir voran und klopften optimistisch an die große Glastür. Wir wurden freundlich von Damika, die sich Anita nannte, empfangen und gleich auf einen Kaffee eingeladen. Zu dritt sprachen wir zunächst über uns, dann über die Aufgaben die wir für die Unterkunft erledigen sollten. Wwoofing hieß es offiziell, nur war das hier nicht offiziell. Spätestens bei der Besichtigung unseres „Zimmers“ wurde uns einiges klar. Es stellte sich heraus, dass wir im Kellerverließ – ohne fließend Wasser und WC – wohnen sollten. Blanke Wände, eine zusammengezimmerte „Bank“ mit ausgedienten Geräten als Küche und ein Podest mit verbogenen Sperrholzplatten auf denen zwei dünne Schaumstoffmatratzen vor sich hin vegetierten, sollten das Darstellen was uns als „Unterkunft“ versprochen wurde. Hinzu kam, dass wir das mit mindestens fünf achtbeinigen Genossen hätten teilen müssen. Fraglich war, ob sich die Farbeimer und die Giftspritze in der Ecke positiv auf unsere Atemwege ausgewirkt hätten. Die Toilette und Dusche waren oben und nur mit Hilfe der Hausherren zu betreten. Dafür sollten wir im Garten Ordnung machen und ein kleines Haus abschleifen und streichen. Wir suchten nach den richtigen Worten um das Gesehene zu verdauen und einigten uns darauf, dass das keine Option ist. Bei allem Ehrgeiz den wir hatten – dafür hätten wir nicht mal den Hof gekehrt! Wir verabschiedeten uns von Anita – eine Spur zu freundlich vielleicht. Anschließend saßen wir im Auto und waren traumatisiert. Unsere Pläne für die letzte Zeit in Neuseeland hatten sich in Luft aufgelöst. Wir wussten uns keinen anderen Rat als Gillian, die Vermieterin der Ferienwohnung bei unserem Start in Auckland, anzurufen. Sie hatte uns auch bei unserer Rückkehr aus dem Northland eine Unterkunft gestellt. Bei ihr in Parnell gab es erstmal ein Glas Wein und etwas zu Essen und wir konnten unser Herz erleichtern. Nach einer Nacht auf einer Matratze in ihrem Arbeitszimmer sah die Welt schon ganz anders aus. Gillian telefonierte ein bisschen herum und schon saßen wir bei Jackie, ihrer ehemaligen Putzfrau, in der Wohnung. Diese war für die kommenden Wochen unbewohnt, da Jackie außerhalb arbeitete und wohnte. Sie zeigte uns kurz alles und kaum das wir uns versahen, hatten wir eine Bleibe für die nächsten drei Wochen. Die Wohnung war zwar nicht unbedingt sauber, aber zumindest mit Fenstern und warmem Wasser aus dem Hahn. Die Toilette konnten wir benutzen ohne vorher jemanden aus dem Bett klingeln zu müssen. Der große Bonus war die gute Lage im Stadtteil Mission Bay und die preiswerte Miete.

Alles ist ja bekanntlich für etwas gut und so konnten wir den letzten Monat unserer Reise für uns nutzen, statt zu arbeiten. Das Erste was wir taten, war unsere Brunni zu verkaufen. Seit New Plymouth fuhren wir mit einem Preisschild herum und im unscheinbaren Ort Kawhia ist ein Pärchen auf unser Auto aufmerksam geworden. Alles ging dann sehr schnell, nachdem wir Brunni richtig herausgeputzt hatten, trafen wir uns mit dem tschechischen Paar in Auckland. Nach einer Probefahrt und der Preisverhandlung sind wir direkt zur Autoummeldung gefahren und ehe wir uns versahen, mussten wir mit dem Bus in unsere Wohnung zurück fahren. Wir hätten nie gedacht, dass der Verkauf so schnell und ohne ein Internetportal gehen würde! Jetzt mussten wir nur noch versuchen unser Campingzubehör loszuwerden, das war wiederrum nicht so leicht.

Das Wetter wurde zunehmend herbstlicher, also hatten wir zwischendurch auch immer mal wieder kältere Regentage. Diese nutzten wir dann mal zum Nichtstun und mal um ein paar Erledigungen zu machen. Relativ schnell gewöhnten wir uns wieder an feste vier Wände und daran regelmäßig duschen zu können. Gar nicht so schlecht! 🙂 Auf der anderen Seite fehlte uns auch die viele Zeit in der Natur und die Unverbindlichkeit an einem Ort zu bleiben oder am selben Tag noch woanders hin zu fahren. Besonders Doreen wurde diesbezüglich ein wenig sentimental.

Die meiste Zeit jedoch verbrachten wir mit Ausflügen in und um Auckland. Mit einer Prepaid-Buskarte für die Stadtbusse und -züge waren wir flexibel und kamen gut von einem Ort zum anderen. Um unserem Frischluft- und Bewegungsbedarf gerecht zu werden, gingen wir auch viel zu Fuß. Ein Lieblingsziel waren die Strände westlich vom Stadtzentrum. Die Mission Bay war nur einen 20minütigen Fußweg von uns entfernt und punktete mit ihrem Sandstrand und den Cafés. Am Tamaki Drive entlang konnten wir auf die Inseln im Hauraki Golf und auf die Skyline von Auckland schauen. Zum Shoppen von Souvenirs war das Hauptziel die Queen Street im Zentrum, wegen neuen Klamotten schauten wir auch in das ein oder andere Einkaufszentrum. Ein etwas anderes Erlebnis waren die Märkte von Auckland. Im vornehmeren Parnell besuchten wir den French Markt, ein Bauernmarkt mit französischem Flair und eleganter Atmosphäre. Der Wochenmarkt in Avondale dagegen bescherte uns andere Eindrücke. Von polynesischem Flair war im Reiseführer die Rede – in Wahrheit wussten wir nicht ob wir auf einem Bazar in Tunesien, auf dem Naschmarkt in Wien oder auf dem Nachtmarkt in Taipeh waren. Nach diesem Vormittag waren wir um ein paar Eindrücke, Obst und Wäscheklammern reicher. 🙂

Da das Auckland Museum auf den Must-Do Listen steht, rafften wir uns auch für einen Besuch auf, obwohl uns der hohe Eintrittspreis ein wenig abschreckte. Laut Reiseführer war der Besuch gratis, das wurde mittlerweile dahingehend geändert, dass nur Einwohner von Auckland freien Eintritt hatten und Touristen zahlen mussten. Als wir mit unserer neuseeländischen Bankomatkarte zahlen wollten, hakte die Kassiererin allerdings solange nach, bis sie uns gratis hinein ließ. Leicht verwirrt und sehr erfreut besuchten wir nun ganz entspannt das Museum, in dem wir noch ein weiteres Mal in die Kultur von Neuseeland eintauchten.
Auf keiner To-Do Liste und relativ unscheinbar war hingegen der Coast to Coast (C2C) Walkway über Aucklands Vulkane. Doreen hatte sich diese 16km lange Stadtwanderung vom Pazifik zur Tasmansee in den Kopf gesetzt und so pickten wir uns einen Schönwettertag dafür heraus. Die Wanderung startete am Viaduct Harbour und führte uns von hier über die Queen Street, den Albert Park, das Gelände der Universität, durch den großen Park Auckland Domain und durch Wohngebiete in den Park des Mt Eden. Vom Gipfel dieses Vulkans hatten wir eine grandiose Rundumsicht auf die Metropole. Nachdem wir durch weitere Stadtteile gegangen sind, kamen wir in den Cornwell Park, von dem wir den One Tree Hill bestiegen und auch hier noch einmal mit einer tollen Aussicht belohnt wurden. An dem Hang waren tatsächlich Schafweiden – mitten in der Großstadt. Anschließend führte uns der Weg bis zum Manukau Harbour, wo an einer etwas tristen Stelle das Ziel des C2C Walkways erreicht war. Auf der Wanderung trafen wir sehr viele nette Einheimische, immer wenn wir gerade den Stadtplan aufgeschlagen hatten dauerte es nicht lange und jemand bot seine Hilfe an. Vom Vorhandensein des C2C Walkways wussten allerdings die wenigsten. 🙂
Nach einer kurzen Fährfahrt über den Waitemata Harbour erreichten wir den Ortsteil Devonport gegenüber von Auckland Downtown. Nachdem wir uns hier mit einer Praline aus der Schokoladenfabrik von Devonport gestärkt hatten, spazierten wir durch die Einkaufsstraße auf den Mt Victoria, von hier durch Wohnstraßen an den schönen Cheltenham Beach und zum Abschluss auf den Aussichtspunkt des North Head. Besonders imponierend waren die Ausblicke auf die Skyline von Auckland und die Inseln im Hauraki Golf.
Ein Besuch galt auch dem Botanischen Garten in Auckland, der in der Nähe von Taranaki liegt. Nach den wunderschönen Hamilton Gärten hatten wir ein bisschen mehr erwartet, aber es reichte für einen netten Spaziergang in der Natur.
An einem Feiertag besuchten wir das MOTAT. Das Museum of Transport and Technology, liegt im Stadtteil Western Springs und lässt eher Männer- und Kinderherzen höher schlagen. Im ersten Teil konnten wir Flugzeuge besichtigen, u.a. einen Lancaster Bomber. Als Highlight galt die Fahrt mit einer alten Straßenbahn zum zweiten Teil des Museums. Das Areal hier war größer und eine Mischung zwischen Ausstellungen zu neuseeländischen Autos, neuseeländischer Geschichte und interaktiven Räumlichkeiten wie Maschinen, einem Spiegellabyrinth und verschiedenen technischen Aufbauten zum Ausprobieren.
Das Kelly Tarlton’s Sealife Aquarium am Tamaki Drive war nicht weit von unserer Wohnung entfernt und uns auch einen Besuch wert. Die Highlights waren allen voran die Pinguine, dann die Fütterung der Stachelrochen und die Haie, die im Aquarium über uns drüber schwammen. Auch die anderen kleinen Aquarien waren sehr schön und die Ausstellungen zur Antarktisforschung waren mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Anschließend spazierten wir noch durch den angrenzenden MJ Savage Memorial Park oberhalb des Tamaki Drive, wo wir am Aussichtspunkt Bastion Point mal wieder ein asiatisches Brautpaar sahen.
An einem richtig tollen Spätsommertag machten wir einen Ausflug auf die junge Vulkaninsel Rangitoto Island. Nach einer 25minütigen Fährfahrt standen wir am Ufer der Insel mit dichtem Wald und vielen Lavafeldern. Wir unternahmen eine Wanderung auf den 259m hohen Gipfel des Rangitoto. Unterwegs krochen wir durch die Lavahöhlen, was René ein wenig zuwider war. An der Aussicht auf Auckland konnten wir uns kaum satt sehen, die Skyline hatte immer wieder einen Reiz für uns. Vom Krater aus wählten wir den Abstieg in die Mckenzie Bay zum Beacon Leuchtturm. Hier machten wir am einsamen Sandstrand ein Picknick und gingen dann am Ufer zurück zur Anlegestelle, von wo aus wir wieder abgeholt wurden.

Für vier Tage übers Wochenende hatten wir uns einen Mietwagen ausgeliehen. Der Nissan Tiida blieb von René nicht verschont und bekam den Namen Yoko. J Mit ihm war es ein leichtes am Abend an die schönsten Stellen von Auckland zu fahren und Nachtfotos der Stadt aufzunehmen. Zwei Tage fuhren wir nochmal ins Northland, wofür wir uns Yoko hauptsächlich ausgeliehen hatten.

An unserem letzten Wochenende in Neuseeland starteten wir Samstagvormittag zu den Stränden der West Coast von Auckland. Den Stadtverkehr hatten wir schon ganz gut drauf und auch die vielen Steinschläge, die wir auf dem Highway abbekamen waren nichts Besonderes. Spätestens aber auf der schmalen, kurvigen Straße zum Karekare Beach waren wir froh voll versichert zu sein. Der Strand zeigte sich dank des trüben Wetters von seiner mystischen Seite. Auch am benachbarten Piha Beach lockten uns die Aussichtspunkte wegen des Herbstwetters nicht besonders. Von der Tasmansee fuhren wir quer über die Nordinsel zur Pazifikküste um hier die Halbinsel Whangaparaoa zu erkunden. Sie stellte sich als ein dicht besiedelter Fleck nördlich von Auckland heraus, der durch seine Großstadtnähe, der Lage zu den umliegenden Inseln und seinem Panoramablick auf Auckland punktet. Die Nacht verbrachten wir in einem kleinen Motel in Wellsford.
Der Sonntag gehörte Matakohe, hier waren wir vor etwa einem halben Jahr schon einmal, aber ohne das Kauri Museum zu besuchen. Das stand heute auf der Tagesordnung und vor allem das angeschlossene Souvenirgeschäft. Wir stellten fest, dass das Museum nicht umsonst auf den Must-Do Listen erwähnt wird. Auf dem Rückweg nach Auckland fuhren wir durch Warkworth, hielten bei Sonnenschein nochmal an der Halbinsel Whangaparaoa und schlossen das Wochenende mit Nachtfotos auf dem Mt Eden in der Stadt ab.

Die letzten Nächte waren wir nun in der Ferienwohnung von Gillian untergebracht, die jetzt frei war. Gillian war in den letzten Monaten von unserer Vermieterin zu einer netten und vor allem hilfreichen Bekannten geworden, mit der wir auch das ein oder andere Mal zusammen saßen. Für die Hilfe und die gratis Unterkunft bei ihr erledigten wir für sie ein paar Arbeiten in Haus und Garten. Unsere Stimmung war eigenartig an unseren letzten Tagen in Auckland. Wir waren entspannt, aber auch nervös. Nun war ein halbes Jahr um und wir schauten mit einem weinenden und einem lachenden Auge, wie man so schön sagt, unserem Rückflug entgegen.

Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen Tag auf Waiheke Island, die Insel die nach Nord- und Südinsel die am dichtesten bewohnte von Neuseeland ist. Die Fähre fuhr 40 Minuten von Auckland und legte in Matiatia an. Von hier aus unternahmen wir eine Busrundfahrt mit Horst, einem deutschen Einwanderer. Trotz, dass diese Tour ein bisschen spießig und eigentlich so gar nicht unser Reisestil war, genossen wir die Fahrt und die schönen Buchten an denen wir hielten. Zum Abschluss stiegen wir in dem Hauptort der Insel, Oneroa, aus um hier noch zu bummeln und am Strand spazieren zu gehen. Am Nachmittag fuhren wir mit der Fähre wieder zurück aufs Festland.

Am Abend vor dem Flug verabschiedeten wir uns mit einem kleinen Geschenk von Gillian. Das Versprechen, uns in Deutschland zu besuchen, nahmen wir ihr bei der Gelegenheit auch ab. Wir packten am Abreisetag in aller Ruhe unsere Koffer und putzten die Wohnung. Ein Bus brachte uns zum Flughafen und wir werden hoffentlich eine ruhige Reise über Sydney, Taipeh und Frankfurt am Main bis nach Dresden haben, wo uns unsere Familien empfangen werden.

Ein großes Kapitel geht nun zu Ende und wir werden ein neues, größeres aufschlagen. Viele Eindrücke werden in der Heimat auf uns treffen und wir werden viele Geschichten erzählen.
Das wird nicht der letzte Beitrag auf unserem Blog sein. Wir lassen uns aber ausdrücklich Zeit das Erlebte Revue passieren zu lassen und euch später über die aktuellen Neuigkeiten und unseren (Neu-)Start zu informieren. Vielen Dank schon jetzt für die vielen Aufrufe und Kommentare.

Doreen & René